• Familie: Gomphidae – Flussjungfern
  • Gattung: Gomphus – Keiljungfern
  • Art: Gomphus simillimus (Selys, 1840)
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  • DE: Gelbe Keiljungfer
  • FR: Gomphus similaire
  • IT: Gonfo simile
  • EN: Yellow Clubtail

Wissenswertes

In der Schweiz kommt Gomphus simillimus hauptsächlich am Hochrhein vor. Insgesamt wirkt sie leuchtender gelb als andere Flussjungfern. Zur sicheren Abgrenzung von anderen Arten derselben Gattung sollte die Art aus mehreren Perspektiven fotografiert werden.

GomSim10 M SK01
GomSim11 M SK02
GomSim12 M TR01
GomSim20 W CB01
GomSim21 W CB02
GomSim22 W CB03

 

Merkmale

Gesamtlänge: 47-50 mm

Grundfarbe leuchtend gelb, Abdomen oberseits schwarz, mit durchgehender gelber Mittellinie. Thoraxseite mit nur zwei kompletten schwarzen Linien (mittlere Linie nur angedeutet), hinterste Linie gegen das Bein hin gegabelt. Thoraxoberseite mit dicken schwarzen Linien. Augen blau. Beine schwarz mit dünnen gelben Längsstreifen. Männchen und Weibchen ähnlich.

Männchen

Hinteres Abdomen keilförmig verbreitert.

Weibchen

Hinteres Abdomen nur leicht keilförmig verbreitert.

Jungtiere

Gleiche Merkmale wie Adulte, Augen graubraun.

Belegfoto

Thoraxseiten möglichst detailliert, Beine gut sichtbar. / Ganze Libelle von oben, hinteres Abdomen (v.a. S8) gut sichtbar.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet liegt im westlichen Mittelmeerraum. Schwerpunkte liegen in Frankreich, Spanien (Nominatform) und Marokko (Unterart G. s. maroccanus). In Tunesien und Algerien wird sie von der sehr ähnlichen G. lucasii abgelöst.

Die Schweizer Populationen liegen am östlichen Rand ihres Verbreitungsgebietes. Gomphus simillimus wurde bei uns erstmals 1835 nachgewiesen. Die meisten der aktuellen Nachweise stammen vom Rhein, vorwiegend zwischen Schaffhausen und Koblenz. Es gibt jedoch jüngere Nachweise von der Limmat, Glatt und Thur. Die Art scheint sich weiter auszubreiten. Ihre Höhenverbreitung beschränkt sich auf 300-400 m.

 

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Anfang Juni bis Mitte Juli
Flugzeit: Mitte Juni bis Mitte August.

Lebensraum

Gomphus simillimus besiedelt grosse, warme und klare Tieflandflüsse. Gewässer mit vegetationsreichen Ufern werden bevorzugt. Strömungsberuhigte Stellen mit Sandablagerungen sind wichtig für die Larvalentwicklung.

In der Schweiz kommt sie hauptsächlich am Rhein vor. Neuere isolierte Vorkommen an der Limmat, Glatt und Thur lassen vermuten, dass die Art bei genauerem Hinschauen vielleicht noch an weiteren grösseren Flüssen im Mittelland gefunden werden könnte.

 

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit verbringen die Tiere oft weit weg vom Wasser.

Reife Männchen sitzen meist landseits auf Steinen, Kiesflächen und Wegen oder auch wasserseits auf Vegetation und warten auf Weibchen. Von dort aus fliegen sie kurze Strecken und sitzen denn wieder ab.

Nach der Paarung presst das Weibchen am Ufer sitzend einen Eiballen aus, welches es dann paketweise an strömungsberuhigten Stellen im Fluss aus dem Flug direkt ins Wasser abstreift.

Der Schlupf findet meist Vormittags unweit vom Wasser auf Steinen oder an Pflanzen statt. Die Exuvien sind am einfachsten von der Wasserseite her zu finden. Die Ufer werden dazu schwimmend oder besser noch mit einem Schlauchboot im Juni oder Juli abgesucht.

Lebensweise Larven

Gomphus simillimus überwintert als Larve. Die Larven halten sich an strömungsberuhigten Stellen in sandigen oder schlammigen Sedimenten eingegraben nahe dem Ufer auf. Trocknet das Gewässer aus, können sie eine gewisse Zeit im feuchten Sand überleben. Die Entwicklung dauert insgesamt drei Jahre oder länger.

Gefährdung und Schutz

Im Hauptverbreitungsgebiet ist die Art häufig und nicht gefährdet. In der Schweiz ist sie selten und nur sehr lokal verbreitet, weshalb Gomphus simillimus hier als vom Aussterben bedroht (CR) eingestuft wurde.

Wichtig ist, Öffentlichkeit und Behörden über Vorkommen von Gomphus simillimus zu informieren. Somit kann bei Eingriffen und Unterhaltsarbeiten speziell Rücksicht genommen und der Freizeitbetrieb eingeschränkt werden. Fördern lässt sie sich durch Revitalisierungen in den Uferbereichen. Auch kommen die Aktivitäten des Bibers dieser Art zu Gute. Durch ins Wasser gefällte Bäume entstehen strömungsberuhigte Stellen als Larvenlebensraum. (Artenschutzblatt)

  • Rote Liste: CR - Vom Aussterben bedroht
  • Nationale Priorität: 2 - Hohe Priorität
  • NHV: Geschützt

Ähnliche Arten

Gomphus simillimus kann mit allen Arten der Familie Gomphidae verwechselt werden. Am ähnlichsten erscheinen die an Fliessgewässern häufige Gomphus vulgatissimus, die an Stehgewässern vorkommende Gomphus pulchellus und die seltene, ebenfalls am Rhein vorkommende Stylurus flavipes. Bei Arten der Gattung Onychogomphus kann es einzig zur Verwechslung mit Weibchen kommen, da Männchen leicht an den zangenförmigen Hinterleibsanhängen zu erkennen sind. Auch Ophiogomphus cecilia ähnelt Stylurus flavipes in Gestalt und Verhalten. Kopf, Thorax und oberes Abdomen sind bei ausgefärbten Individuen jedoch grün.

Gomphus vulgatissimus – Gemeine Keiljungfer
S8-S10 oberseits dunkel (immer ohne gelben Fleck in der Mitte). Beine komplett schwarz.

Gomphus pulchellus – Westliche Keiljungfer
Thoraxseiten mit durchgehendem, leicht gewelltem schwarzem Mittelstrich.
M: Abdomenende kaum keilförmig verbreitert.

Stylurus flavipes – Asiatische Keiljungfer
Etwas grösser und schlanker. Hinterste schwarze Linie an Thoraxseite gegen das Bein hin nicht gegabelt. Schenkel weitgehend gelb. Thoraxoberseite mit typischer T-Zeichnung.

Onychogomphus spp. – Zangenlibellen
M: Grosse, zangenförmige Hinterleibsanhänge (unverwechselbar).
W: Abdomenoberseite mit gelben, oben breiten dreieckigen Flecken (keine durchgehende Linie).

Ophiogomphus cecilia – Grüne Flussjungfer
Oberkörper vom Kopf über den Thorax bis S2 vollständig grün.