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Familie:

Calopterygidae

Prachtlibellen

Gattung:

Calopteryx

Prachtlibellen

DE:

Bronzene Prachtlibelle

EN:

Copper demoiselle

Mediterranean demoisell

FR:

Caloptéryx méditerranéen

Caloptéryx hémorroïdal

IT:

Splendente culviola

Wissenswertes

Calopteryx haemorrhoidalis ist im westlichen Mittelmeergebiet eine häufige Prachtlibelle an sauberen, sauerstoffreichen Bächen und Gräben. Die Art breitet sich unter anderem durch das Rhonetal nach Norden aus und wurde in der Schweiz erstmals 2023 im Kanton Genf beobachtet.


Merkmale

  • 45–48 mm

Durch ihre bronzerötliche Körper- und dunkle Flügelfärbung gut von anderen Prachtlibellen unterscheidbar.

Varianten: Neben der Nominatform, bei welcher das Männchen nahezu komplett dunkle Vorderflügelspitzen besitzt, werden regionale Varianten unterschieden, unter anderem Calopteryx haemorrhoidalis asturica Ocharan und Calopteryx haemorrhoidalis occasi Capra, welche sich primär durch unpigmentierte Vorderflügelspitzen und die Körpergrösse unterscheiden. Da jedoch auch die Nominatform in gewissen Regionen sehr variabel sein kann, werden diese Varianten allgemein nicht als eigenständige Unterarten akzeptiert.

Männchen

Bronzerötlicher Körper und Flügel nicht bis auf Basis dunkel gefärbt. Die Flügelbasis ist in einem schräg zur Flügelachse begrenzenten Bereich unpigmentiert. Je nach Region und Lichteinfall wirken die Flügel rötlich braun bis schwarz. Die Abdomenspitze ist auf S8–S10 bei geschlechtsreifen Männchen an der Unterseite (ventral) leuchtend rot gefärbt. 

Weibchen

Metallisch grüner bis bronzefarbener Körper. Thorax mit zwei feinen hellen Linien. Flügelspitzen dunkel gefärbt, wodurch das weisse Pseudopterostigma auffallend hell wirkt.

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Adulte. Bestimmung von ganz frisch geschlüpften Tieren, vor allem Weibchen, schwierig.

Belegfoto

Sicht von Seite auf Körper und Flügel.


Verbreitung

Calopteryx haemorrhoidalis ist endemisch im westlichen Mittelmeergebiet. Das Verbreitungsgebiet umfasst Marokko, Algerien, Tunesien, die Iberische Halbinsel, Südfrankreich und Italien. In der Schweiz wurde die Art 2023 zum ersten Mal im Kanton Genf nachgewiesen. Ein weiterer Nachweis wurde 2024 aus dem Kanton Solothurn gemeldet.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Im Mittelmeergebiet von Mitte Mai bis Ende Juni.
Flugzeit: Im Mittelmeergebiet von Mitte Mai bis Mitte September.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Die Art besiedelt saubere, sauerstoffreiche Bäche. Im Mittelgebirge werden kleine, vegetationsarme Bäche bevorzugt, während im Hügel- und Flachland auch stärker bewachsene Bäche mit unterspülten Ufern besiedelt werden. Zu schnell fliessende Abschnitte und solche mit dichter Gehölzbestockung werden gemieden.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit dauert etwa zehn Tage. In dieser Zeit halten sich die juvenilen Tiere oft in grossen Ansammlungen auf, welche in geschlechtergemischten Schlafplätzen übernachten und sich zum Aufwärmen an exponierten Standorten mit regelmässigen Abständen zueinander sonnen.

Geschlechtsreife Männchen suchen sich einen geeigneten Eiablageplatz als Revier und verteidigen diesen bis zu drei Wochen lang gegen Rivalen. Das Balzverhalten ist ähnlich wie bei anderen Prachtlibellen: Zuerst setzt sich das Männchen ins Wasser, um dem Weibchen den Eiablageplatz zu zeigen. Ist dieses interessiert und nähert sich, beginnt das Männchen mit dem Balzflug, bei welchem es mit einer sehr hohen Flügelschlagfrequenz nahe über der Wasseroberfläche fliegt, sodass Wasserkreise entstehen. Ist das Weibchen vom Eiablageplatz und der Qualität des Balzflugs des Männchens überzeugt, kommt es zur Paarung – diese dauert etwa 2,5 Minuten. Zur Eiablage kann das Weibchen bis über eine Stunde komplett unter Wasser tauchen und sich mehrere Dezimeter tief entlang von Pflanzenteilen bewegen.

Lebensweise Larven

Die Entwicklung der Eier erfolgt direkt nach der Eiablage. Die Art überwintert im Larvenstadium. Die Larven halten sich bevorzugt im Unterwasserwurzelwerk von Bäumen, Sträuchern und Gräsern auf, aber auch Wasserpflanzen können als Lebensraum genutzt werden, sofern diese nicht zu dichte Polster bilden. Die Entwicklung der Larven dauert etwa ein Jahr. Die Art ist somit univoltin. Im Süden ihres Verbreitungsgebietes ist eine zweite Generation (bivoltin) nicht komplett ausgeschlossen.


Gefährdung & Schutz

Die Art gilt gesamteuropäisch als nicht gefährdet und scheint sich nach Norden auszubreiten. Lokal können Bestände jedoch zurückgehen, wenn sich die Wasserqualität in Bächen verschlechtert oder diese zu stark mit Gehölzen zuwachsen.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    NE - Nicht beurteilt
  • Nationale Priorität:
    Keine
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt
  • DE:

    Keine

  • FR:

    aucun

  • IT:

    nessuno


Ähnliche Arten

Die Art kann mit anderen Prachtlibellenarten (Calopteryx spp.) verwechselt werden, mit welchen sie oftmals syntop vorkommt.

Blauflügel-Prachtlibelle – Calopteryx virgo ssp.
M: Ebenfalls grossflächig dunkle Flügel. Körper und Flügel in der Regel jedoch metallisch blaugrün anstatt rötlich bronzefarben. Braunrötliches Schlusslicht bauchseits auf S8–S9 beschränkt.
W: Normalerweise Flügel ohne dunkle Färbung an der Flügelspitze. Ausnahme: Phänotyp von Calopteryx virgo festiva (Türkei und südlicher Balkan), mit sehr ähnlicher Flügelfärbung wie Calopteryx haemorrhoidalis

Gebänderte Prachtlibelle – Calopteryx splendens
Männchen dieser Art haben je nach Unterart partiell dunkelblau gefärbte Flügel und können so mit den Männchen gewisser Formen von Calopteryx haemorrhoidalis verwechselt werden.
M: Je nach Unterart partiell dunkelblau gefärbte Flügel. Körper und Flügel jedoch immer bläulich-grünlich und nicht rötlich-bronzefarben. Gelblich-weisses Schlusslicht bauchseits auf S8–S10. 
W: Normalerweise ohne dunkle Flügelspitze; selten treten Weibchen mit einer typischen Färbung für Männchen auf.