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Familie:

Coenagrionidae

Schlanklibellen

Gattung:

Coenagrion

Azurjungfern

DE:

Speer-Azurjungfer

EN:

Spearhead Bluet

Northern Damselfly

FR:

Agrion ligné

IT:

Agrion astato

Azzurrina alpina

Wissenswertes

Coenagrion hastulatum ist in der Schweiz nur noch in höheren Lagen, und auch dort nicht durchgehend, verbreitet. Somit gehört sie bei uns definitiv zu den selteneren Libellen. Über 1000 m kann sie aber lokal die häufigste Vertreterin der Azurjungfern (Gattung Coenagrion) sein. Das Suchmuster ist eine blaue Schlanklibelle mit grünlichem Kopf.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 31–33 mm

Relativ kleine Azurjungfer mit gattungstypischem Interpleuralstreifen auf den Brustseiten. Helle Antehumeralstreifen durchgehend und schmal. Augen- und Gesichtsunterseite grün. Männchen und Weibchen unterscheiden sich ansonsten stark.

Männchen

Hinterleib blau-schwarz, oft mit leichtem Grünstich. Zeichnung auf S2 mit stumpfer schwarzer «Speerspitze» (Pilz) und zwei Seitenstrichen (Achtung: variabel). S3 mit spitzer speerförmiger Zeichnung, S7 komplett schwarz, S8–S9 komplett blau. Unterseite grün.

Weibchen

Grundfarbe einheitlich grün und schwarz, Hinterleib-Oberseite fast durchgehend schwarz, ähnlich (Coenagrion puella), jedoch mit etwas mehr grün auf S3–S4. Pronotum-Hinterrand mit grünem, V-förmigem Rand.

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Adulte, Farben blass, braunrosa.

Belegfoto

M: Sicht auf Abdomen-Oberseite, S2 gut sichtbar oder Seitenansicht (Augen).
W: Sicht auf Oberseite von Abdomen mit gut sichtbarem Pronotum oder Seitenansicht (Augen).


Verbreitung

Coenagrion hastulatum ist vor allem im Nordosten Europas verbreitet. Das mitteleuropäische Verbreitungsgebiet ist fast vollständig isoliert und beschränkt sich weitgehend auf höhere Lagen. Weiter südlich gibt es nur noch sehr kleine und isolierte Populationen. In Skandinavien kommt sie bis weit in den hohen Norden vor.

In der Schweiz liegt der Verbreitungsschwerpunkt im Jura und in den Alpen (v.a. Westalpen) meist zwischen 900 und 1900 m. In tieferen Lagen sind nur vereinzelte Vorkommen vorhanden, viele davon sind im Rückgang oder bereits verschwunden. Nachgewiesen ist sie von 300 bis 2240 m.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Mitte Mai bis Anfang August. Maximum Mitte bis Ende Juni. 
Flugzeit: Mitte Mai bis Ende August. 

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Coenagrion hastulatum bevorzugt Moorgewässer unterschiedlicher Grösse, welche sich in der Nähe von Wäldern befinden. Es gibt auch Vorkommen an Gewässern ohne Moorcharakter. Gewässerufer weisen meist Grossseggenbestände auf, kleine Torfweiher Schnabelseggenbestände.

Lebensweise Imagines

Während der Reifung bleiben die Imagines in unmittelbarer Umgebung ihrer Entwicklungsgewässer oder in geeigneten Landhabitaten (lichte Moorwälder, Waldlichtungen/Schneisen, Heiden, Feuchtwiesen). Jeweils ein Teil der Population wandert ab, der Rest bleibt beim Entwicklungsgewässer.

Die Männchen sitzen nahe dem Wasser in der Vegetation und machen gelegentlich kurze Rundflüge, wobei sie wenig kräftig wirken. Über dem offenen Wasser sieht man sie selten fliegen.

Die Eiablage erfolgt im Tandem, meist in lebende oder tote Seggenhalme und -blätter, manchmal auch unter der Wasseroberfläche. Das Männchen bleibt beim Tauchgang meist angekoppelt. Zur Eiablage bleiben die Paare allein.

Zum Schlupf begeben sich die Larven an geschützte Stellen in nicht allzu dichter Vegetation, wo die Imagines wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche die Larvenhaut verlassen.

Lebensweise Larven

Coenagrion hastulatum überwintert im Larvenstadium. In tiefen Lagen dauert die Entwicklung ein Jahr, in höheren Lagen zwei oder mehrere Jahre. Die Larven können bei Austrocknung eines Gewässers eine Zeit lang im feuchten Torfschlamm überdauern.


Gefährdung & Schutz

In der Schweiz ist die Art verletzlich (VU) und steht auf der Liste der national prioritären Arten. Europaweit ist sie verletzlich (VU).

Gefährdungsursachen: Beeinträchtigungen der Larvengewässer und ihrer Umgebung (Veränderung des Wasserhaushalts in der Umgebung von Hochmooren, Verlandung von Moorgewässern, Entwässerung zur Gewinnung nutzbarer Flächen, Trittschäden und Nährstoffeintrag durch Grossvieh sowie Freizeitaktivitäten).

Schutzmassnahmen: Erhalt des Wasserhaushaltes in der Umgebung von Hochmooren, Hochmoorregeneration, Regeneration von verlandeten Moorgewässern, Einzäunen von Larvengewässern in beweideten Gebieten, keine Freizeitaktivitäten in empfindlichen Bereichen von Moorseen.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    VU - verletzlich
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt

Ähnliche Arten

In höheren Lagen, wo Coenagrion hastulatum häufig sein kann, werden andere Azurjungfern (Coenagrion spp.) nur noch spärlich festgestellt. Trotzdem kommt es vor allem in mittleren Lagen oft zu Überlappungen. Die Männchen sind besonders ähnlich gezeichnet wie diejenigen der Mond-Azurjungfer (Coenagrion lunulatum), die jedoch in der Schweiz ausgestorben ist. Weibchen der häufigen Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) sind sehr ähnlich gefärbt und können wie bei anderen Arten häufig nur durch den Vergleich des Pronotum-Hinterrandes sicher unterschieden werden.

Mond-Azurjungfer – Coenagrion lunulatum
In der Schweiz seit 1989 nicht mehr nachgewiesen.
M: Schwarz-Anteil auf S3–S4 grösser (> 3/4 des Segments) und keine speerförmige Zeichnung, S2 mit «Mondsichel» und zwei Seitenstrichen (Achtung: variabel), S6 fast komplett schwarz, Postokularflecken nicht durch blaue Linie verbunden, obere Anhänge mindestens so lang wie untere.
W: S8-Basis mit hellen Seitenflecken (meist blau/braun), Pronotum-Hinterrand mit deutlichem Zapfen.

Hufeisen-Azurjungfer – Coenagrion puella 
W: Schwarze Zeichnung auf Abdomen breiter an Basis, S3–S4 weniger grün, Pronotum-Hinterrand wellenförmig.

Weitere Azurjungfern – Coenagrion spp. 
M: Augen- und Gesichtsunterseite blau (nicht grün), schwarze Zeichnung auf S2 und S3 anders (nie folgende Kombination: stumpfe schwarze «Speerspitze» (Pilz) mit zwei Seitenstrichen auf S2 und speerförmige Zeichnung auf S3).
W: Pronotum-Hinterrand nicht V-förmig.

Gemeine Becherjungfer – Enallagma cyathigerum  
Brustseiten ohne Interpleuralstreifen.
M: S2 mit Zeichnung eines «Weinglases», breiter heller Ring zwischen S6 und S7, breitere Antehumeralstreifen. Fliegt gerne über offenem Wasser.
W: Torpedoförmige Zeichnung auf Hinterleibssegmenten, Brustseiten nur schwach schwarz gezeichnet, S8 mit deutlichem Dornfortsatz an Unterseite.

Saphirauge – Erythromma lindenii 
M: S2 mit schwarzer Pokal-Zeichnung, S3–S6 mit «Spiess»-Zeichnung. Augen leuchtend blau, Postokularflecken zu Schlitzen reduziert oder fehlend.
W: Hinterleib grünlich, in der Mitte blau.

Kleines Granatauge – Erythromma viridulum und Grosses Granatauge – Erythromma najas 
W: Postokularflecken fehlend, Augen von oben rot-braun.

Blaue Federlibelle – Platycnemis pennipes 
M: Hellblaue Grundfärbung, Schienen breit und gefiedert.

Kleine Pechlibelle – Ischnura pumilio 
W: Pterostigmen hell, rautenförmig und auf Vorderflügeln grösser als auf Hinterflügeln.