Skip to main content

Familie:

Coenagrionidae

Schlanklibellen

Gattung:

Coenagrion

Azurjungfern

DE:

Helm-Azurjungfer

EN:

Mercury Bluet

Southern Damselfly

FR:

Agrion de Mercure

IT:

Agrion di Mercurio

Azzurrina di Mercurio

Wissenswertes

Coenagrion mercuriale ist in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet gefährdet und nirgends wirklich häufig. Darum verdient sie besondere Aufmerksamkeit. Um sie in der Schweiz bestmöglichst zu schützen und zu fördern, ist eine solide Datengrundlage zum aktuellen Vorkommen nötig. Da sie von den häufigeren Arten wie der Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) oder der Gemeinen Becherjungfer (Enallagma cyathigerum) nicht einfach zu unterscheiden ist, sind vermutlich noch lange nicht alle Vorkommen bekannt. Eine gezielte Suche, vor allem entlang von Wiesenbächen, könnte neue Standorte zutage bringen. Beobachtungen sollen fotografisch dokumentiert und gemeldet werden.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 27–31 mm

Kleine, aber robust gebaute Azurjungfer. Immer mit gattungstypischem schwarzem Interpleuralstreifen an der Thoraxseite. Die hellen Antehumeralstreifen sind schmal und durchgehend. Männchen und Weibchen unterscheiden sich stark. Keine gut sichtbaren gemeinsamen Merkmale.

Männchen

Grundfarbe schwarz-blau, S2 mit schwarzem Kopf mit «geflügeltem» Helm (Achtung: variabel), S3–S6 fast zur Hälfte schwarz, erscheint dadurch gleichmässig blau-schwarz geringelt. Segmente ohne seitliche schwarze Verlängerungsstriche, S3–S4 mit lanzettlicher Zeichnung. Pterostigmen in der Mitte dunkel, nach aussen heller werdend.

Weibchen

Sehr ähnlich wie die Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella). Abdomen von oben fast komplett schwarz, Unterseite grünlich, selten blau. Pronotum-Hinterrand fast gerade, mit kleinem Lappen.

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Adulte (Männchen/Weibchen), Farben blass und hell.

Belegfoto

M: Sicht auf Abdomen-Oberseite, S2 gut sichtbar.
W: Sicht auf Abdomen-Oberseite, Pronotum gut sichtbar.


Verbreitung

In Europa mit südwestlichem Verbreitungsschwerpunkt. In Mitteleuropa ist sie überall selten.

In der Schweiz kommt Coenagrion mercuriale nur nördlich der Alpen und meist in tiefen Lagen unter 700 m vor. Der höchste Fundort liegt auf 1200 m. Bekannte Vorkommen gibt es am Genfersee und mit jeweils grösseren Lücken im zentralen und östlichen Mittelland. Isolierte Vorkommen befinden sich im Jura, nördlich des Juras und in den Voralpen.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Mitte Mai bis Mitte Juli.
Flugzeit: Von Mai bis August, hauptsächlich Ende Mai bis Anfang August.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

In der Schweiz kommt Coenagrion mercuriale hauptsächlich an kalkreichen, langsam fliessenden und gut besonnten kleinen Bächen und Gräben mit gut ausgebildeter Submers- und Emersvegetation vor. Seltener besiedelt sie Kalkflachmoore (Schlenken und Rinnsale) oder Grundwasseraufstösse in Auen. Das Habitat ist dem der Vogel-Azurjungfer (Coenagrion ornatum) sehr ähnlich. Wichtig sind eine winterliche Eisfreiheit, ganzjährige Wasserführung, Quell- oder Grundwassereinfluss, wintergrüne Unterwasservegetation und eine gute Besonnung.

Lebensweise Imagines

Als Reifungs-, Jagd- und Ruhehabitat werden extensive Wiesenstreifen entlang des Entwicklungsgewässers genutzt.

Reife Männchen halten sich am Tag meist auf emersen Pflanzen und in der Ufervegetation auf, wo sie auf Weibchen warten. Hier wird auch die Paarung eingeleitet.

Die Eiablage findet im Tandem statt, manchmal auch alleine. Das Weibchen sticht die Eier in emerse Pflanzenstängel ein und kann dabei auch ganz untertauchen.

Coenagrion mercuriale schlüpft auf emersen Pflanzen oder in der Ufervegetation, meist einige Zentimeter bis Dezimeter über der Wasseroberfläche. Die Art ist mehrheitlich ortstreu und breitet sich über kurze Distanzen (wenige 100 m) meist entlang von offenen Fliessgewässern aus, sie kann aber auch einige Kilometer über die Landschaft fliegen und so neue Gewässer besiedeln.

Lebensweise Larven

Überwinterung im Larvenstadium. Entwicklungsdauer in der Schweiz meist zwei Jahre, im Mittelmeergebiet ein Jahr. Die Larven halten sich in der Unterwasservegetation nahe der Wasseroberfläche auf. Im Winter ziehen sie sich in den Detritus am Gewässergrund zurück. Sie ertragen weder ein Austrocknen noch ein Durchfrieren ihres Entwicklungsgewässers.


Gefährdung & Schutz

In der Schweiz ist die Art stark gefährdet (EN). Für die national prioritäre Art sind spezifische Artförderungsmassnahmen notwendig. Auch in Europa gilt sie als verletzlich (VU).

Hauptgefährdungsursachen: Intensive Räumung der Gewässersohle, Vernachlässigung der Pflege der Ufervegetation, Verbuschung, Austrocknung kleiner Bäche und Veränderung des Wasserhaushalts in Kalkflachmooren. Die Art hat in den letzten hundert Jahren stark abgenommen. Generell profitiert sie jedoch von den Anstrengungen im Gewässerschutz seit den 70er Jahren, die eine klare Verbesserung der Wasserqualität zur Folge haben. Auch die Erwärmung des Klimas mag sich positiv auswirken. Die Neuentdeckung mehrerer Standorte in den letzten Jahren ist aber auch auf gezieltere Nachsuchen zurückzuführen und darf nicht als wirkliche Ausbreitung interpretiert werden. Für diese Art besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf.

Schutzmassnahmen: Strömungsberuhigte Bereiche in stark strömenden Bächen schaffen. Bei Wiesenbächen und -gräben ist der Gewässerunterhalt entscheidend, ähnlich wie bei der Vogel-Azurjungfer (Coenagrion ornatum). Einrichtung von Pufferzonen und ungenutzten Grünflächen entlang der Gewässer, Entfernen beschattender Gehölze, Durchführung der Böschungsmahd und Sohlenräumung im Herbst, nur abschnittsweise und zeitlich versetzt. In Kalkflachmooren ist abgesehen von einer jährlichen Streumahd keine Pflege nötig.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    EN - Stark gefährdet
  • NHV:
    Geschützt
Artenschutzblatt

Ähnliche Arten

Coenagrion mercuriale kommt fast überall zusammen mit ähnlich aussehenden und häufigen Arten wie der Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella), der Gemeinen Becherjungfer (Enallagma cyathigerum) oder der Blauen Federlibelle (Platycnemis pennipes) vor. Deshalb ist es insbesondere bei kleinen Populationen von Coenagrion mercuriale nicht einfach, die Art unter den anderen blau-schwarz gefärbten Arten zu finden. Zudem hat Coenagrion mercuriale dieselben Lebensraumansprüche wie die bei uns ausgestorbene Vogel-Azurjungfer (Coenagrion ornatum). Besonders schwierig ist die Unterscheidung der dunkel gefärbten Weibchen.

Hufeisen-Azurjungfer – Coenagrion puella
Länger aber schlanker, überall häufiger.
M: Mit schwarzer «U»-Zeichnung (Hufeisen) auf S2, S3–S6 mit schwarzen dünnen Ringen(1/4 Segmentlänge) und seitlichen Linien. Abdomen von oben betrachtet mit mehr, von der Seite betrachtet mit weniger Blaufärbung.
W: Dunkle Form sehr ähnlich, ebenfalls fast vollständig schwarz oberseits, grünlich unterseits. Pronotum-Hinterrand schwach-gewellt.

Gemeine Becherjungfer – Enallagma cyathigerum
Thoraxseiten hell, ohne schwarze Interpleuralstreifen.
M: S2 mit Zeichnung eines Weinglases, breiter heller Ring zwischen S6 und S7, breitere Antehumeralstreifen.
W: Torpedoförmige Zeichnung auf Hinterleibssegmenten, S8 mit deutlichem Dornfortsatz an Unterseite.

Vogel-Azurjungfer – Coenagrion ornatum
In der Schweiz ausgestorben. Kommt im selben Habitat wie Coenagrion mercuriale vor. Beide Geschlechter mit gezähnten Postokularflecken.
M: Gestieltes «W» auf S2. Zeichnung auf S3–S4 stärker lanzettförmig.
W: Abdomen mit deutlichen blauen Bändern an den Segmentbasen. Pronotum-Hinterrand wellenartig mit kleinem Fortsatz im Zentrum.

Azurjungfern – Coenagrion spp.
M: Zeichnung auf S2 kein Merkurhelm (meist ein eindeutiges Merkmal).
W: Pronotum-Hinterrand stets anders geformt.

Blaue Federlibelle – Platycnemis pennipes
M: Hellblaue Grundfärbung, Schienen breit und gefiedert.

Saphirauge – Erythromma lindenii
M: «Pokal»-Zeichnung auf S2. Zeichnung auf S3–S6 spiessförmig.
W: Hinterleibsmitte blau, Körperende hellbraun, Vorderecken der Mittelbrust mit kleinen Knöpfen

Kleines Granatauge – Erythromma viridulum und Grosses Granatauge – Erythromma najas
W: Postokularflecken fehlend, Augen von oben rot-braun.

Kleine Pechlibelle – Ischnura pumilio
W: Flügelmale hell, rautenförmig und auf Vorderflügeln grösser als auf Hinterflügeln.