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Familie:

Corduliidae

Falkenlibellen

Gattung:

Epitheca

Zweiflecke

DE:

Zweifleck

Zweifleck-Smaragdlibelle

EN:

Eurasian Baskettail

Two-spotted Dragonfly

FR:

Cordulie à deux taches

Epithèque à deux taches

IT:

Cordulia bimaculata

Wissenswertes

Obschon Epitheca bimaculata als einzige Art der Corduliidae keine metallische Färbung aufweist, verhält sie sich mit ihren ausdauernden Patrouillenflügen über dem offenen Wasser wie andere Vertreter dieser Familie. Aus Distanz gleicht sie dem Vierfleck (Libellula quadrimaculata). Die dunklen Basalflecken an den Hinterflügeln geben ihr den deutschen Namen. Bei uns ist sie eine typische Frühjahrsart mit sehr kurzer Schlupfperiode.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 55-65 mm

Gross und kräftig. Grundfarbe gelblich-braun mit schwarzen Flecken, ohne Metallglanz. Thorax gelbbraun mit schwarzen Bändern, filzig braun behaart. Abdomen breit und abgeflacht. Augen graublau bis grünlich. Beine lang und schwarz. Flügel, vor allem am Vorderrand, bernsteinfarben getönt, Hinterflügel mit dunklem dreieckigem Basisfleck. Männchen und Weibchen ähnlich.

Männchen

Abdomen im hinteren Teil stark verschmälert und gesamthaft dunkel, S9 und S10 komplett schwarz, S3–S8 oberseits mit breiten schwarzen Flecken, die nur an den Seiten gelbliche bis braun-orange Streifen offen lassen. Hinterleibsanhänge V-förmig.

Weibchen

Dunkle Flecken auf der Oberseite des Abdomens schmaler als beim Männchen, bilden eine breite dunkle Mittellinie.

Jungtiere

Ähnlich den Adulten. Augen hell- bis rötlich-braun, Flügel bernsteinfarben getönt.

Belegfoto

M/W: Ganze Libelle von oben, Flügelbasen gut sichtbar.


Verbreitung

Epitheca bimaculata bewohnt vor allem den Nordosten Europas. In Mitteleuropa gibt es verschiedene verstreute Vorkommen.

In der Schweiz ist Epitheca bimaculata aktuell nur noch im Westen des Landes nachgewiesen. Bekannt ist ein Verbund von Standorten in der Ajoie (JU) und zwei kleinere, isolierte Vorkommen am Lac des Taillères (NE) und am Lac de Lussy (FR). Die Populationen befinden sich zwischen 400 und 1038 m (Lac de Taillères).

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Anfang Mai bis Ende Juni, in höheren Lagen bis Anfang Juli mit jeweils lokal kurzer Emergenzperiode.

Flugzeit: Juni (Hauptflugzeit), in den Niederungen ab Mai, in höheren Lagen bis Juli.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Epitheca bimaculata kommt an Stehgewässern mit ausgedehnten offenen Wasserflächen und gut entwickelten Vegetationsgürteln vor. Bevorzugt werden Kleinseen, Weiher und Fischteiche mit reicher Schwimm- und Tauchblattvegetation in waldiger Umgebung.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit verbringt Epitheca bimaculata vermutlich im Kronenbereich von Bäumen.

Die Männchen patrouillieren über Wasser in ausdauerndem, kraftvollem und schnellem Flug entlang ihrer 10 bis 20m langen Reviere, meist weit vom Ufer entfernt. Gegenüber anderen Libellen verhalten sie sich sehr aggressiv und vertreiben diese in schnellem Flug. Epitheca bimaculata setzt sich nur selten, stets vertikal hängend und nicht wie Segellibellen (Libellula spp.) waagrecht sitzend.

Die Paarung wird am Wasser eingeleitet, im Röhricht oder auf Bäumen beendet und dauert etwa eine Stunde. Zur Eiablage, die stets ohne Begleitung des Männchens erfolgt, setzen sich die Weibchen zuerst in die Ufervegetation und pressen mit aufgebogenem Hinterleib einen grossen Eiklumpen mit bis zu 2000 Eiern aus. Diesen streifen sie dann aus dem Flug an flutender Vegetation ab. Dabei entrollt sich der Klumpen zur Eischnur.

Der Schlupf findet in der Regel zwei bis vier Meter vom Ufer entfernt an vertikaler Vegetation statt. Manchmal entfernen sich die schlupfbereiten Larven auch mehr als 50 m vom Wasser und klettern bis zwölf Meter  hoch in die Bäume. Die Exuvien häufen sich meist an einzelnen Uferpartien des Gewässers.

Lebensweise Larven

Epitheca bimaculata überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert zwei bis drei Jahre. Die Larven halten sich meist im Bodenschlamm oder nahe der Wasseroberfläche zwischen Wasserpflanzen auf und sind vorwiegend nachtaktiv. Sie ertragen vorübergehenden Sauerstoffmangel und kurzes herbstliches Trockenfallen des Gewässers. Dank den langen Beinen und den kräftigen Dornen können sie gut mit Fischen zusammenleben, solange die Fischdichte nicht zu hoch wird. 


Gefährdung & Schutz

In Europa ist die Art nicht gefährdet. In der Schweiz wird sie als stark gefährdet (EN) eingestuft.

Obschon die wenigen bekannten Entwicklungsgewässer von Epitheca bimaculata bei uns grösstenteils unter Naturschutz stehen, ist das Überleben der Art nicht gewährleistet. Trotz Schutzstatus üben Fischerei- und Erholungsbetrieb beträchtlichen Druck auf die letzten Populationen aus. Bei übermässigem Besatz zerstören vor allem wühlende Fische die Unterwasservegetation und somit die Verstecke der Larven. Einige der Standorte verlieren zudem an Qualität durch Düngereintrag.

Damit die Art langfristig bei uns überleben kann, ist sie auf konsequenten Schutz ihrer verbleibenden Entwicklungsgewässer angewiesen. Dazu gehören ein gutes Konzept zur Entflechtung von Naturschutz und Erholungsnutzung, ausreichend breite düngerfreie Pufferzonen entlang der Ufer sowie eine fachgerechte Pflege der Lebensräume, insbesondere der Mikrohabitate für Eiablage, Larvenentwicklung und Schlupf.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    EN - Stark gefährdet
  • NHV:
    Geschützt
Artenschutzblatt

Ähnliche Arten

Als einzige Corduliidae ohne metallische Färbung kann Epitheca bimaculata kaum mit anderen Vertretern der Familie verwechselt werden. Hingegen sehen ihr die Weibchen von Libellula fulva und beide Geschlechter von Libellula quadrimaculata recht ähnlich. Beide Arten verhalten sich aber völlig anders. So verteidigen die Männchen der genannten Arten Sitzwarten am Ufer und patrouillieren nichtüber grossen offenen Wasserfläche.

Spitzenfleck – Libellula fulva
M: Abdomen blau, unverwechselbar.
W: Deutlich kleiner als Epitheca bimaculata. Abdomen breiter mit oranger Grundfarbe (nicht gelbbraun). Vorderflügelbasis mit feiner schwarzer Zeichnung, Flügelspitzen oft dunkel getönt.

Vierfleck – Libellula quadrimaculata
Deutlich kleiner als Epitheca bimaculata, Abdomen kürzer und breiter. Augen stets braun. Dunkle Flecken in der Mitte der vorderen Flügelränder (an den Internodien).