Libellula fulva
Familie:
Libellulidae
Segellibellen
Gattung:
Libellula
Segellibellen
DE:
Spitzenfleck
EN:
Blue Chaser
Scarce Chaser
FR:
Libellule fauve
IT:
Libellula fulva
Libellula frontenera
Wissenswertes
Der dunkle Fleck an der Flügelspitze, der ihr den deutschen Namen gibt, ist nur beim Weibchen stets ausgeprägt. Das blaue Männchen ist auf Distanz nicht immer einfach vom Grossen Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) zu unterscheiden. Im Gegensatz zu diesem setzt sich der Spitzenfleck (Libellula fulva) kaum je auf nackten Boden.
Merkmale
-
Gesamtlänge: 42–45 mm
Abdomen abgeflacht. Hinterflügelbasis mit schwarzem Dreieck, Vorderflügelbasis mit schmalem schwarzem Strich, Flügelspitzen mit dunklem Fleck (besonders bei Männchen nicht immer gut sichtbar). Thorax filzig behaart, besonders bei Männchen auffällig.
Männchen
Abdomen blau bereift. Augen milchig blaugrau, Gesicht schwarz. Paarungsmarken (schwarze Flecken) auf Abdomenseiten (erst nach erster Paarung sichtbar).
Weibchen
Abdomen braunorange mit schwarzem Mittelstreif, Augen braun. Alte Weibchen gleichen den alten Männchen (Mit dunkelbraunem Abdomen und leicht bläulicher Bereifung sowie milchig-grauen Augen).
Jungtiere
Abdomen hell-orange mit schwarzem Mittelstreif. Augen orange.
Belegfoto
M/W: Sicht auf Abdomen, Flügelbasis, Augen.
Verbreitung
Libellula fulva ist in Mittel- und Südeuropa mit wenigen Lücken weit verbreitet. Die meisten Vorkommen liegen nördlich der Alpen, in einigen Regionen wie der Iberischen Halbinsel ist sie selten. Die nördliche Grenze verläuft durch Südengland und Südskandinavien.
In der Schweiz liegt das Hauptverbreitungsgebiet im Mittelland und im nördlichen Jura. Zudem gibt es einige Funde aus dem Wallis und Tessin. Meist kommt die Art in tiefen Lagen bis 600 m vor. Umherstreifende Individuen bis über 1000 m.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Ende April bis Anfang Juni. Meist fast synchron, während einer kurzen Periode.
Flugzeit: Mitte Mai bis Mitte Juli. Typische Frühlingsart.
Lebensraum
Libellula fulva ist eine Charakterart von Flüssen und Auenlandschaften in tiefen Lagen. Besiedelt werden relativ grosse, gut besonnte, meist tiefe, stehende oder langsam fliessende Gewässer. Diese weisen eine gut ausgebildete Unterwasservegetation, einen Röhrichtgürtel, eine grosse vegetationsfreie Wasserfläche, sauberes Wasser (oft mit Grundwassereinfluss) und häufig Schwimmblattvegetation auf. Bevorzugte Entwicklungsgewässer sind unter Kleinseen, Weiher, Altarme, Kanäle oder Fischteiche, welche häufig von Gehölzen umgeben sind.
Lebensweise Imagines
Die Reifungszeit verbringt Libellula fulva vermutlich unweit vom Entwicklungsgewässer in Gehölzen.
Adulte Männchen besetzen erhöhte Sitzwarten (1–2 m hoch), von wo aus sie ihr Revier verteidigen und auf Weibchen warten. Bei hoher Männchendichte können sie auch eng nebeneinander sitzen. Die Paarung dauert länger als bei anderen Segellibellen (Gattung Libellula). Sie wird in der Luft eingeleitet, danach setzt sich das Rad in die Vegetation.
Die Eiablage findet ohne Männchen über untiefen Stellen oder im lockeren Röhricht statt. Dabei wirft das Weibchen die Eier aus wippendem Flug oder streift sie im Wasser ab.
Exuvien sind an senkrechten Halmen meist in der Ufervegetation bis 1 m Höhe, zu finden.
Lebensweise Larven
Libellula fulva überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert meist zwei Jahre (selten ein Jahr). Die Larven halten sich zuerst frei auf dem Gewässergrund auf, danach in abgestorbenen Pflanzenteilen oder im Boden eingegraben. Sie können mit Fischen koexistieren.
Gefährdung & Schutz
Die Art ist in der Schweiz und in Europa «nicht gefährdet» (LC), mit Ausnahme von Österreich (EN). Hauptgefährdungsursachen sind zu starke Beschattung, Verschwinden des Uferröhrichts, radikale Räumung von Fliessgewässern, Verlandung, hoher Fischbesatz und Nährstoffeintrag.
Wichtigste Fördermassnahme ist der Erhalt der Lebensräume. Libellula fulva profitiert von der Förderung von Uferröhrichten, Gewährleistung guter Besonnung durch spezifisches Entfernen von Ufergehölzen, angepasster Entkrautung von Fliessgewässern (abschnittsweise und schonend) und Ufervegetationspflege (räumlich und zeitlich alternierend).
Status Schweiz
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Rote Liste CH:LC - Nicht gefährdet
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Nationale Priorität:Keine
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NHV:-
Artenschutzblatt
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DE:
Keine
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FR:
aucun
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Aufgrund des relativ breiten Abdomens kann Libellula fulva vor allem mit dem in beiden Geschlechtern ähnlich gefärbten Plattbauch (Libellula depressa) verwechselt werden, das Männchen auch mit jenem des Grossen Blaupfeils (Orthetrum cancellatum). Die übrigen Blaupfeile kommen selten im selben Habitat vor, sind aber auf Grund der Blaufärbung auch unter den Verwechslungsarten. Das Weibchen kann zudem mit jenem des Zweiflecks (Epitheca bimaculata) verwechselt werden, welche in der Schweiz allerdings sehr selten ist.
Plattbauch – Libellula depressa
Abdomen breiter. Dunkelbraune Dreiecke an der Basis beider Flügelpaare. Augen braun. Helle, breite Antehumeralstreifen, v.a. bei Jungtieren.
M: Abdomen blau mit gelben Flecken an den Seiten.
W: Abdomen hellbraun mit gelben Flecken an den Seiten.
Grosser Blaupfeil – Orthetrum cancellatum
M: Abdomen schmaler, frisch mit gelben Seitenflecken, stets ohne Paarungsmarken. Keine schwarzen Flecken an Flügelbasis. Augen dunkel blaugrün.
Weitere Blaupfeile – Orthetrum spp.
Abdomen wenig abgeflacht (wirkt lang). Keine schwarzen Flecken auf Flügelbasis. Der Südliche (Orthetrum brunneum) und der Kleine Blaupfeil (Orthetrum coerulescens) haben hellbraune, nicht schwarze, Flügelmale.
Zweifleck – Epitheca bimaculata
M/W: Grösser (55–65 mm), Abdomen schmaler, schwarze Flecken auf S4–S10 breit, keine schwarzen Flecken auf Flügelspitzen, fliegt weit weg vom Ufer über der offenen Wasserfläche.