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Familie:

Gomphidae

Flussjungfern

Gattung:

Onychogomphus

Zangenlibellen

DE:

Westliche Zangenlibelle

EN:

Small Pincertail

Green-eyed Hooktail

FR:

Gomphe à pinces méridional

IT:

Gonfo a pinze

Gonfo forcipato

Wissenswertes

Die Unterart Onychogomphus forcipatus unguiculatus kommt in der Schweiz nur auf der Alpensüdseite im Tessin und Graubünden vor, wo ausser der Gemeinen Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus) keine anderen Flussjungfern nachgewiesen sind. Zudem fehlt die Nominatform, die Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus forcipatus). Beide Unterarten sehen sich sehr ähnlich, tendenziell ist Onychogomphus forcipatus unguiculatus aber etwas gelber. Einziges sicheres Unterscheidungsmerkmal ist der nach vorne zeigende Fortsatz an der Spitze der unteren Hinterleibsanhänge der Männchen.


Merkmale

  • 46–50 mm

Körperfärbung wie bei der Kleinen Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus forcipatus) schwarz-gelb und sehr variabel. Augen eher blau (nicht grün). Mittlerer schwarzer Streifen an Thoraxseiten meist unterbrochen. Kopf (zwischen den Augen) mit kleinem gelbem Querfleck zwischen dem Gelb der Stirn und dem Hinterhaupt.

Männchen

Hinterflügelbasis winklig. Geschwungene Körperhaltung. Letztes Hinterleibsdrittel verbreitert mit typischen zangenartigen Hinterleibsanhängen. Obere Anhänge meist gelb-orange. Untere Hinterleibsanhänge an der Spitze mit schräg nach vorne zeigendem Fortsatz. (Dieser zeigt bei der Kleinen Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus forcipatus) nach oben).

Weibchen

Hinterflügelbasis abgerundet. Oberseite mit grösseren gelben Dreiecken. Hintere Segmente nicht verbreitert. Aufgrund der hohen Variabilität von Augen- und Körperfarbe nicht immer von der Kleinen Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus forcipatus) unterscheidbar.

Jungtiere

Junge Männchen sind stets an den Hinterleibsanhängen zu erkennen.

Belegfoto

M: Libelle von oben, Thorax und Hinterleibsanhänge gut sichtbar. Thoraxseiten parallel zur Kamera. Zur Bestimmung der Unterart sind Detailaufnahmen der unteren Hinterleibsanhänge von der Seite nötig!
W: Libelle von oben, Thorax und Augen gut sichtbar. Thoraxseiten parallel zur Kamera.


Verbreitung

Onychogomphus forcipatus unguiculatus ist im westlichen Mittelmeerraum heimisch. Im östlichen Mittelmeerraum dagegen ist die sehr ähnliche Östliche Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus albotibialis) verbreitet, die aber nicht in der Schweiz nachgewiesen ist. Beide werden nördlich der Alpen weiträumig von der Kleinen Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus forcipatus) abgelöst.

Die Unterart Onychogomphus forcipatus unguiculatus kommt in der Schweiz ausschliesslich auf der Alpensüdseite im Tessin und Graubünden vor und wurde von dort erstmals 1977 dokumentiert. Die Unterart wird meistens nur in den wärmeren tieferen Lagen bis etwa 300 m angetroffen.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Mitte Juni bis Anfang August, etwas später als die Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus forcipatus).
Flugzeit: Ende Juni bis Ende August, seltener bis September.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

In der Schweiz entwickelt sich Onychogomphus forcipatus unguiculatus unter anderem an der Tresa, einem über weite Strecken «natürlich» gebliebenen Fluss sowie im Sottoceneri und zunehmend auch im Sopraceneri.

Lebensweise Imagines

Siehe Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus forcipatus).

Lebensweise Larven

Onychogomphus forcipatus unguiculatus überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert in der Regel drei Jahre.


Gefährdung & Schutz

Europaweit sind beide Unterarten nicht gefährdet (LC). In der Schweiz sind sie separat eingeschätzt. Die Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus forcipatus) ist nicht gefährdet (LC), und Onychogomphus forcipatus unguiculatus aufgrund ihres sehr beschränkten Vorkommens verletzlich (VU).

Fördern lässt sich die Unterart durch dieselben Massnahmen wie die Nominatform. 

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    VU - verletzlich
  • NHV:
    Geschützt
Artenschutzblatt

Ähnliche Arten

Kleine Zangenlibelle – Onychogomphus forcipatus forcipatus
Kommt nicht im Tessin vor. Augen grün. Der Mittlere schwarze Streifen an den Thoraxseiten ist in der Regel durchgehend (beide Merkmale nicht verlässlich).
M: Fortsatz an der Spitze der unteren Hinterleibsanhänge zeigt nach oben.
W: Nicht eindeutig unterscheidbar.

Grosse Zangenlibelle – Onychogomphus uncatus
Gilt in der Schweiz als ausgestorben. Augen blau. Eine blauäugige Zangenlibelle ausserhalb des Tessins muss nach Möglichkeit als Beleg fotografiert werden!
Nur ein gelber Streifen zwischen den Augen, nicht zwei. Äusserer schwarzer Streifen auf Thoraxoberseite nicht eingeschnürt, gegen den Flügel hin nicht mit dem schwarzen Rückenband verbunden. Rückenband erreicht den Thoraxvorderrand in der Mitte und unterbricht das «gelbe Halsband». Thoraxseiten mit zwei durchgehenden, ausgedehnten und teilweise verwachsenen hinteren schwarzen Bändern.
M: Untere Hinterleibsanhänge ohne Fortsatz an der Spitze.

Grüne Flussjungfer – Ophiogomphus cecilia
Kopf und Thorax vollständig grün gefärbt (gilt bei jungen Weibchen nicht). Thoraxoberseite deutlich weniger schwarz gemustert, keine schwarz umrandeten augenförmigen Flecken.

Keiljungfern – Gomphus spp.
Abdomenoberseite stets mit meist durchgehender dünner gelber Mittellinie. Keine isolierten, oben breiten dreieckigen Flecke.
M: Ohne grosse, zangenförmige Hinterleibsanhänge.