Onychogomphus uncatus
Familie:
Gomphidae
Flussjungfern
Gattung:
Onychogomphus
Zangenlibellen
DE:
Grosse Zangenlibelle
EN:
Large Pincertail
Blue-eyed Hooktail
FR:
Gomphe à crochets
IT:
Gonfo a uncini
Gonfo pinzato
Wissenswertes
Onychogomphus uncatus wurde 1979 zum letzten Mal am Rhein festgestellt und gilt seither in der Schweiz für ausgestorben. Da die Art der Kleinen Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus forcipatus) und der Westlichen Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus unguiculatus) sehr ähnlich ist, müssen vermeintliche Beobachtungen dieser Art durch möglichst detaillierte Belegaufnahmen dokumentiert und diese genau überprüft werden.
Merkmale
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Gesamtlänge: 50–53 mm
Augen auffällig blau bis blaugrau (ähnlich wie bei der Westlichen Zangenlibelle – Onychogomphus forcipatus unguiculatus). Nur ein gelber Streifen zwischen den Augen. Körperfärbung schwarz-gelb und sehr variabel. Äusserer schwarzer Streifen auf Thoraxoberseite nicht eingeschnürt und nicht mit schwarzem Rückenband verbunden. Zwei hintere schwarze Bänder auf den Thoraxseiten durchgehend, ausgedehnt und teilweise verwachsen.
Männchen
Hinterflügelbasis winklig. Geschwungene Körperhaltung. Letztes Hinterleibsdrittel verbreitert mit typischen zangenartigen Hinterleibsanhängen. Obere Anhänge meist leuchtend gelb (nicht braun). Spitze der unteren Anhänge ohne Fortsatz.
Weibchen
Hinterflügelbasis abgerundet. Abdomen etwas dicker, oberseits mit grösseren gelben Dreiecken. Hintere Segmente nicht verbreitert
Jungtiere
Mit Jungtieren ist in der Schweiz kaum zu rechnen.
Belegfoto
Libelle von oben, Thorax und Hinterleibsanhänge gut sichtbar. Oberer Thorax und Augen in Grossaufnahme. Thoraxseiten in Grossaufnahme parallel zur Kamera. Detailaufnahme der unteren Hinterleibsanhänge von der Seite nötig.
W: Ganze Libelle von oben, Thorax und Augen gut sichtbar. Thoraxseiten parallel zur Kamera.
Verbreitung
Onychogomphus uncatus ist in Europa rund um das westliche Mittelmeer verbreitet.
In der Schweiz gab es früher ein inselartiges Vorkommen am Rhein, wo sie sogar häufig war. Mit abnehmender Qualität des Lebensraums wurde sie jedoch immer seltener und 1979 zum letzten Mal nachgewiesen.
Es ist denkbar, dass die Art bei uns von Südwesten her wieder einwandert.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Anfang Juni bis Mitte August.
Flugzeit: Ende Juni bis Anfang September.
Lebensraum
Das erloschene Vorkommen in der Schweiz war das am weitesten flussabwärts gerichtete Vorkommen überhaupt. Im Mittelmeergebiet kommt die Art eher in der Bachregion vor und ist in den Hauptrinnen der Flüsse eher selten. Sie bevorzugt Bäche, Nebengerinne von Altarmen und durchströmte Kanäle. Onychogomphus uncatus kommt überwiegend in Mittelgebirgslagen vor und erreicht Höhen bis 1000 m.
Lebensweise Imagines
Über ihre Lebensweise in der Schweiz ist wenig bekannt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass diese nicht gross von derjenigen ihrer Vorkommen im Mittelmeerraum abweicht.
Reife Tiere jagen meist in offenen, vegetationsarmen Bereichen nahe den Fliessgewässern. Männchen warten auf Steinen nahe der Wasseroberfläche auf Paarungspartner. Artgenossen werden vehement vertrieben. Dabei fliegen sie zwischendurch auf und kehren oft nach kurzer Dauer auf dieselbe Sitzwarte zurück.
Das Männchen ergreift das Weibchen am Gewässer, danach fliegt das Paarungsrad in nahe Büsche oder Bäume.
Lebensweise Larven
Onychogomphus uncatus überwintert im Larvenstadium. Die Larven leben bevorzugt eingegraben im sandig-kiesigen Gewässergrund und lauern dort auf Beute. Ein zeitweiliges Austrocknen des Gewässers können die Larven für einige Tage im feuchten Sediment überleben. Die Entwicklung dauert in der Regel drei Jahre, ausnahmsweise zwei oder vier.
Gefährdung & Schutz
In ihrem Hauptverbreitungsgebiet im westlichen Mittelmeerraum ist die Art noch relativ häufig und nicht gefährdet (LC). In der Schweiz ist sie ausgestorben (RE). Es könnte sein, dass Wellenschlag von Motorbooten während der Schlupfzeit, die Art massiv dezimiert hat.
Der letzte Nachweis der Art am Rhein erfolgte im Jahr 2000 auf deutscher Seite. Seither sind keine Tiere mehr gefunden worden. Ob es im Zuge einer Klimaerwärmung zur Ausbreitung der Art in den Norden kommen kann ist unklar. Sollte es dazu kommen, kann die Art wie die anderen einheimischen Flussjungfern (Familie Gomphidae) durch weitere Revitalisierungen von Fliessgewässern gefördert werden.
Status Schweiz
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Rote Liste CH:RE - Regional ausgestorben
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Nationale Priorität:Keine
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NHV:Geschützt
Artenschutzblatt
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DE:
Keine
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FR:
aucun
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Onychogomphus uncatus kann grundsätzlich mit allen Vertretern der Flussjungfern (Familie Gomphidae) verwechselt werden. Am ähnlichsten ist die Westliche Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus unguiculatus), welche ebenfalls blaue Augen und eine sehr ähnliche und variable Körperfärbung aufweist.
Westliche Zangenlibelle – Onychogomphus forcipatus unguiculatus
Zwei gelbe Bänder zwischen den Augen (nicht nur eines). Äusserer schwarzer Streifen auf Thoraxoberseite eingeschnürt, oben mit schwarzem Rückenband verbunden. Schwarzes Rückenband erreicht den Thoraxvorderrand in der Mitte nicht. Dadurch erscheint ein durchgehendes, gelbes Halsband. Das mittlere schwarze Band auf den Thoraxseiten ist in der Regel unterbrochen. Untere Hinterleibsanhänge mit Fortsatz an der Spitze.
Kleine Zangenlibelle – Onychogomphus forcipatus forcipatus
Augen grün. Sonst dieselben Unterscheidungsmerkmale wie bei der Westlichen Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus unguiculatus).
Grüne Flussjungfer – Ophiogomphus cecilia
Kopf und Thorax vollständig grün gefärbt (gilt bei jungen Weibchen nicht). Thoraxoberseite deutlich weniger schwarz gemustert, keine schwarz umrandeten augenförmigen Flecke.
Keiljungfern – Gomphus spp.
Abdomenoberseite stets mit meist durchgehender, dünner gelber Mittellinie. Keine isolierten, oben breiten dreieckigen Flecken.
M: Ohne grosse, zangenförmige Hinterleibsanhänge.