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Familie:

Libellulidae

Segellibellen

Gattung:

Sympetrum

Heidelibellen

DE:

Sumpf-Heidelibelle

EN:

Spotted Darter

Marshland Darter

FR:

Sympétrum à l’abdomen déprimé

IT:

Simpetro a corpo depresso

Cardinale padano

Wissenswertes

Die Art ist in Europa wie auch in der Schweiz nicht durchgehend, sondern sehr lokal verbreitet. In für sie geeigneten Lebensräumen ist sie aber oft die häufigste aller Heidelibellen (Sympetrum spp.). Ihren Lebensraum teilt sie meistens mit ähnlichen, aber generell häufigeren Arten wie der Blutroten Heidelibelle (Sympetrum sanguineum), der Grossen Heidelibelle (Sympetrum striolatum) oder auch der Gemeinen Heidelibelle (Sympetrum vulgatum). Da diese vier dann oft in grösseren Zahlen gemischt auftreten, ist eine genaue Auszählung der einzelnen Arten oft sehr schwierig.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 29–34 mm

Eine der kleinsten Heidelibellen. S4–S8 seitlich mit paarweisen schwarzen Keilflecken (Spitzen zeigen in Richtung Kopf). Beine schwarz. Augenoberseite rotbraun, Unterseite gelbgrün. Gesicht schwefelgelb. Männchen und Weibchen unterscheiden sich in Form und Färbung, in der Reifezeit sind verschiedene Übergangsfärbungen zu beobachten.

Männchen

Abdomen rot, abgeflacht und nach hinten verbreitert. Abdomenseiten bei jüngeren Tieren gelblich bis orange. Thoraxseiten zuerst gelb, später braun, mit schwarzen Nähten. Das schwefelgelbe Gesicht unterscheidet sie von allen andern Heidelibellen-Männchen.

Weibchen

Abdomen gelb, später orange bis bräunlich, im Querschnitt rund. Thoraxseiten gelb mit schwarzen Nähten.

Jungtiere

Junge Männchen sind wie Weibchen gefärbt, jedoch mit abgeflachtem Hinterleib. Thorax und Abdomen gelb, Pterostigmen beige. Flügel golden schimmernd. Obschon auch andere junge Heidelibellen (Sympetrum spp.) schwarze Zeichen an den Abdomenseiten zeigen, ist die Keilform der Flecken mit Spitze nach vorne auch bei Jungtieren ein verlässliches Merkmal.

Belegfoto

Sicht auf Abdomen, Augen, (Gesicht). Beine gut sichtbar.


Verbreitung

Der Schwerpunkt des europäischen Verbreitungsgebiets liegt in Südosteuropa. In Mitteleuropa gibt es nur lückenhafte Vorkommen, in Nord- und Westeuropa fehlt sie weitgehend. Sie ist praktisch überall nur lokal verbreitet, kann in geeigneten Lebensräumen aber sehr häufig sein.

In der Schweiz war sie vor 1970 hauptsächlich im östlichen Mittelland weit verbreitet. Seither sind viele Populationen in der Westschweiz und im Tessin erloschen. In der Zentral- und Ostschweiz sind auch heute noch einige Populationen vorhanden, ebenso im Alpenrheintal, im Rhonetal und im Saanental. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im Aargauischen Reusstal. Die meisten Populationen liegen unter 600 m. In den letzten Jahren scheint sich die Art wieder leicht auszubreiten.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Mitte Juni bis Ende Juli (einzelne bis Anfang September, teils abhängig vom Wasserregime).
Flugzeit: Ende Juni bis Ende Oktober (Schwerpunkt: Mitte Juli bis Ende September).

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Ursprünglich kam Sympetrum depressiusculum in temporär überfluteten Sümpfen und Wiesen in Flussauen oder in Verlandungsbereichen von Seen und grossen Weihern in Tieflagen vor. Optimale Gewässer sind untief (≤ 0.5 m), mehrere Aren gross, haben eine gut ausgebildete, niedrige Emersvegetation und sind im Frühling und Sommer überflutet. Im Herbst und Winter trocknen sie meist aus. Die Art meidet dicht mit Röhricht bewachsene Gewässer.

Lebensweise Imagines

Reifungs-, Jagd- und Ruhehabitat befinden sich in angrenzenden Riedwiesen.

Hier findet auch bereits frühmorgens die Tandembildung statt. Die Partner bleiben danach lange im Tandem und kommen erst am späteren Vormittag ans Fortpflanzungsgewässer, wo die Paarung erfolgt. Männchen und Weibchen sind häufig auf erhöhten Sitzwarten am oder in der Nähe des Gewässers zu beobachten, zum Beispiel auf den Fruchtständen von Binsen oder Schilf. In Gebieten mit hohem Schilf sitzen sie teilweise sehr weit oben. Bei heissem Wetter nehmen sie die Obeliskstellung ein.

Die Eier werden meist im Tandem abgelegt. Das Weibchen wirft die Eier über seichten Stellen ins Wasser ab.

Exuvien sind in der Ufervegetation oder über der Wasserfläche, vorwiegend an dünnhalmigen Pflanzen wie Seggen, Binsen und Teichbinsen zu finden.

Lebensweise Larven

Sympetrum depressiusculum überwintert im Eistadium, die Eier überdauern auf dem Boden. . Die Larven schlüpfen nach der Überflutung der Eier zwischen Ende April und Ende Juni. Die Larvenentwicklung dauert rund 6–8 Wochen. Generell halten sie sich auf dem Boden oder in überfluteter Vegetation auf.


Gefährdung & Schutz

In der Schweiz und europaweit ist die Art als verletzlich (VU) eingestuft. Zudem hat sie nationale Priorität. Da die Art auf natürliche Wasserstandsschwankungen in ihren Entwicklungsgewässern angewiesen ist, ist sie insbesondere durch Konstanthalten oder Absenken des Grundwasserspiegels und die Entwässerung von Feuchtwiesen gefährdet. Zudem schaden ihr das Zuschütten von temporären Flachgewässern sowie die Eutrophierung der Fortpflanzungsgewässer.

Wichtigste Fördermassnahmen sind die Erhaltung, Optimierung oder Neuanlage von Entwicklungsgewässern. Wasserstandsschwankungen sollen saisongerecht wiederhergestellt werden (Einstau im Frühling, Trockenlegung im Herbst). Es sollen neue Temporärgewässer erstellt und bei eutrophierten Gewässern Pufferzonen eingerichtet werden. Zusätzlich soll das Schilf durch eine regelmässige Mahd (auch Frühschnitt Ende Mai bis Mitte Juni) eingedämmt werden.Wassterstandschwankungen sollen wiederhergestellt werden (Einstau, Fluten) und Abflüsse saisongerecht reguliert werden. Es sollen neue Temporärgewässer erstellt und bei eutrophierten Gewässern Pufferzonen eingerichtet werden. Zusätzlich soll das Schilf durch eine regelmässige Mahd eingedämmt werden.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    VU - verletzlich
  • NHV:
    Geschützt
Artenschutzblatt

Ähnliche Arten

Aufgrund der keilförmigen schwarzen Flecken an den Abdomenseiten können beide Geschlechter von Sympetrum depressiusculum eindeutig bestimmt werden. Besonders Weibchen und Jungtiere sind aber nach wie vor schwierig von anderen Heidelibellen (Sympetrum spp.) zu unterscheiden. Ebenfalls schwarze Beine hat die Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum), die in der Schweiz deutlich weiter verbreitet ist und, zusammen mit der Grossen Heidelibelle (Sympetrum striolatum) und der Gemeinen Heidelibelle (Sympetrum vulgatum), auch im gleichen Habitat häufig sein kann. Nebst anderen meist selteneren Sympetrum-Arten kommt allenfalls die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) als Verwechslungsart in Frage, welche ebenfalls ein abgeflachtes Abdomen aufweist.

Blutrote Heidelibelle – Sympetrum sanguineum
Etwas grösser und kräftiger gebaut. Beine ebenfalls schwarz. Flügelbasen mit kleinem gelbem Fleck.
M: Abdomen blutrot und keulenförmig. Gesicht und Augen rot. Pterostigmen grösser und heller.
W: Abdomenseiten meist mit schwarzen Strichen (keine paarweisen schwarzen Keilflecken). Augen ebenfalls oben rot, unten gelbgrün.

Grosse Heidelibelle – Sympetrum striolatum und Gemeine Heidelibelle – Sympetrum vulgatum
Deutlich grösser und kräftiger gebaut. Beine schwarz mit gelben Längsstreifen. Jungtiere mit schwarzen Strichen an den Abdomenseiten.

Weitere Heidelibellen – Sympetrum spp. 
Nie mit deutlichen, paarweisen, schwarzen Keilflecken (Spitzen nach vorn) auf S4–S8. Meist mit deutlichen Artmerkmalen oder in anderen Lebensräumen vorkommend.

Feuerlibelle – Crocothemis erythraea  
Deutlich grösser, mit abgeflachtem und deutlich breiterem Abdomen. Grosser dottergelber Fleck an Hinterflügelbasis.
M: Abdomen, Gesicht und Beine komplett rot. Augen oberseits rot, unterseits blau.
W: Heller Streifen zwischen Flügelbasen. Gesamter Körper und Beine ockerfarben mit nur sehr wenig schwarz.