Lestes virens vestalis
DE:
Kleine Binsenjungfer
EN:
Small Spreadwing
Late Spreadwing, Small Emerald Damselfly
FR:
Leste verdoyant
IT:
Leste virente
Verdina minore
Wissenswertes
Sie ist die kleinste, zierlichste und späteste einheimische Binsenjungfer mit Hauptflugzeit im September, wenn die Hauptflugzeit der häufigeren Gemeinen Binsenjungfer (Lestes sponsa) abgeklungen ist. Lestes virens vestalis ist in Mitteleuropa verbreitet und in der Schweiz die einzige nachgewiesene Unterart.
Merkmale
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Gesamtlänge: 30–39 mm
Klein und zierlich. Körper metallisch grün, im Alter kupferfarben. Hinterkopf wie bei der Südlichen Binsenjungfer (Lestes barbarus) scharf abgegrenzt gelb gefärbt. Pterostigmen hellbraun mit weissen Seitenrändern.
Männchen
Blaue Abdominal-Bereifung auf S9–10 beschränkt (fehlt am vorderen Abdomen). Untere Hinterleibsanhänge kurz und gerade.
Weibchen
Ohne blaue Bereifung. Ovipositor reicht nur bis zum Ende von S10, überragt dieses nicht. Ovipositor sehr hell (wie bei der Südlichen Binsenjungfer, Lestes barbarus), Legescheide leicht zugespitzt (nicht rund).
Jungtiere
Einzige verlässliche Merkmale sind die Genitalien. Hinterkopf- und Pterostigmenfarben sind noch nicht klar ausgebildet und deshalb zur Artbestimmung nicht brauchbar.
Belegfoto
M: Libelle von oben mit gut sichtbarer Abdomenbasis und Hinterkopf (Pterostigmen).
W: Libelle von oben mit gut sichtbarem Hinterkopf und Pterostigmen oder Hinterleib inkl. Ovipositor von der Seite.
Verbreitung
Lestes virens ist eine südliche Art und von Nordafrika bis zur Ostsee verbreitet. In Europa kommen zwei sehr ähnliche Unterarten vor. Die Nominatform, Lestes virens virens, besiedelt den westlichen Mittelmeerraum und Sizilien. Im übrigen Europa, somit auch in der Schweiz, findet man ausschliesslich Lestes virens vestalis.
In der Schweiz war die Art früher im ganzen Mittelland verbreitet. Heute ist sie selten. Aktuelle Nachweise beschränken sich weitgehend auf die Nordostschweiz, wo sie allerdings in den letzten 15 Jahren wieder leicht zugelegt hat. Die meisten Fundorte liegen zwischen 400 und 600 m, gelegentlich wird sie auch darüber nachgewiesen.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Ende Juni bis August.
Flugzeit: Juli bis September (vereinzelt auch vorher und nachher, bis Oktober/November).
Lebensraum
Gut besonnte, stehende Gewässer geringer Tiefe mit lockerer bis mässiger Emersvegetation mit Binsen, Sumpfbinsen, Seggen oder Schachtelhalmen. Günstig sind langsam verlandende Torfgewässer mit dünnhalmigen Pflanzen. Gewässer mit starker Beschattung oder dichtem Schilf- und Rohrkolbenbewuchs werden gemieden. Wichtig ist bei Lestes virens auch der Landlebensraum im nahen Umkreis des Entwicklungsgewässers. Zur Jagd, Ruhe und Reifung hält sie sich gerne in umliegenden Streuwiesen und Moorheiden oder an lichten Waldrändern auf.
Lebensweise Imagines
Die Reifungszeit wird in geeignetem Habitat in der Umgebung des Entwicklungsgewässers verbracht. Die Männchen erscheinen vor den Weibchen wieder am Fortpflanzungsgewässer.
Die Paarung findet am Wasser statt. Dabei sitzen die Paarungsräder meist an emersen Wasserpflanzen oder in der Ufervegetation.
Die Eiablage beginnt meistens im Tandem, das Weibchen legt aber oft allein weiter ab, nachdem sich das Männchen getrennt hat. Die Eier werden in trockene oder frische, über das Wasser ragende Pflanzen gestochen. Das Weibchen taucht dabei nie ganz ab, sondern höchstens bis zu den Hinterflügeln.
Exuvien sind an dünnhalmigen Pflanzen über dem Wasser zu finden.
Lebensweise Larven
Lestes virens überwintert im Eistadium. Die Larven schlüpfen im Frühling und halten sich meist zwischen abgestorbenen Teilen von Wasserpflanzen auf. Eine Überflutung des Gewässers mit kühlerem Wasser wirkt sich negativ auf ihre Entwicklung aus, ein Austrocknen des Gewässers während dieser Zeit überleben die Larven nicht. Noch im selben Jahr schlüpfen sie zur Imago.
Gefährdung & Schutz
Europaweit ist Lestes virens nicht gefährdet (LC). Da in der Schweiz viele Populationen ganz verschwunden sind, ist sie hier als stark gefährdet (EN) eingestuft und hat nationale Priorität.
Der Rückgang dieser Art ist im Schweizer Mittelland vor allem auf die grossflächige Entwässerung von Sümpfen und Mooren zurückzuführen. Die verbliebenen Lebensräume sind heute meist geschützt. Absinkende Grundwasserspiegel, Verwachsen oder Beschattung der Entwicklungsgewässer gefährden die Art aber weiterhin.
Eine Überwachung der bestehenden Populationen sowie des Wasserregimes in den Entwicklungsgewässern – kein Austrocknen während der Larvenentwicklung – sind grundlegende Voraussetzungen für ihren Schutz. Sind Populationen rückläufig, werden Pflegemassnahmen nötig: Auslichten allzu dichter Vegetation und von Gehölzen, ohne die emerse Wasservegetation (und damit die Eigelege) zu zerstören. Eine besondere Bedeutung hat auch die Erhaltung geeigneter Landhabitate in der Nähe der Entwicklungsgewässer. Umliegende Wiesen sind extensiv zu nutzen und alternierend zu mähen. Die Art breitet sich generell eher langsam aus. Neue Gewässer in unmittelbarer Nähe bestehender Populationen werden aber schnell besiedelt.
Status Schweiz
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Rote Liste CH:EN - Stark gefährdet
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NHV:-
Artenschutzblatt
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DE:
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FR:
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Lestes virens ist die einzige einheimische Art mit scharf abgegrenztem gelbem Hinterkopf und hellbraunem Pterostigma mit weissen Seitenrändern. Bei Jungtieren, bei denen das Pterostigma noch hell ist und der gelbe Hinterkopf schwer zu beurteilen ist, sind Farbe und Form der Geschlechtsteile die verlässlichsten Merkmale. Am ähnlichsten sind Weibchen der Südlichen Binsenjungfer (Lestes barbarus), die ebenfalls einen gelben Hinterkopf aufweisen, und der Gemeinen Binsenjungfer (Lestes sponsa), bei denen die Pterostigmen manchmal auch weiss umrandet scheinen.
Südliche Binsenjungfer – Lestes barbarus
Deutlich grösser und heller. Antehumeralstreifen breit und weiss. Seiten von S9–S10 hell. Pterostigmen zweifarbig: aussen hell, innen dunkel.
M: Ohne blaue Bereifung, untere Hinterleibsanhänge divergent.
W: Legescheide des Ovipositors gerundet.
Gemeine Binsenjungfer – Lestes sponsa und Glänzende Binsenjungfer – Lestes dryas
Hinterkopf und Pterostigmen dunkel.
M: S2 und S9–S10 blau bereift, Augen blau, untere Hinterleibsanhänge lang und gerade oder löffelförmig.
Weidenjungfer – Chalcolestes viridis
Hinterkopf dunkel, Pterostigmen einfarbig hellbraun.