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Familie:

Aeshnidae

Edellibellen

Gattung:

Anax

Königslibellen

DE:

Schabracken-Königslibelle

Schabrackenlibelle

EN:

Vagrant Emperor

FR:

Anax porte-selle

IT:

Anax sellato

Imperatore migrante

Wissenswertes

Anax ephippiger ist bei uns eine Gastart, die vor allem in Hitzejahren gehäuft auftritt und hier nicht überwintern kann. Sie ist die kleinste Königslibellen-Art (Anax spp.) und sieht der bei uns viel häufigeren und dauerhaft anwesenden Kleinen Königslibelle (Anax parthenope) sehr ähnlich. Ein Blick auf die Augen reicht jedoch um die beiden Arten zu unterscheiden. Bei Anax ephippiger sind diese braun, bei der Kleinen Königslibelle (Anax parthenope) deutlich grün.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 61–70 mm

S2 oberseits mit blauem Sattel, unterseits gelblich (nicht blau). Grundfarbe hellbraun bis strohgelb (nicht düster). Abdomen mit dunkler Mittellinie, die sich auf S8–S10 ausweitet und dort wie bei einer Mosaikjungfer (Aeshna spp.) nur noch zwei gelbe Flecken offen lässt. Thorax braun, unten oft gelblich. Grosser Kopf mit auffällig grossen, oben braunen und unten grünlichgelben Augen. Stirn mit zwei schwarzen Querbalken. Hinterflügel in der Mitte oft bräunlich getönt. Obere Hinterleibsanhänge zugespitzt. Männchen und Weibchen sind sich ähnlich.

Männchen

Reife Tiere immer mit deutlichem blauem Sattel. Mittellinie des Abdomens beginnt erst auf S3. Untere Hinterleibsanhänge dreieckig mit kleinen Zähnchen.

Weibchen

Blauer Sattelfleck weniger ausgeprägt bis nicht vorhanden. Dunkle Mittellinie des Abdomens beginnt bereits auf S2. Obere Hinterleibsanhänge sehr breit.

Jungtiere

Die Grundfarbe kann bei Jungtieren sehr orange wirken und kontrastiert dann mit den gelben Flecken der hinteren drei Segmente. Dabei entsteht das Bild einer bunten, blau-orange-gelb gefärbten Libelle. Junge Männchen sind, ähnlich den Weibchen, manchmal noch ohne blauen Sattel.

Belegfoto

Ganze Libelle von oben, Augen und S2 gut sichtbar.
M: Detailaufnahme der Hinterleibsanhänge oder Seitenansicht von Thorax und S2.
W: Detailaufnahme der Hinterleibsanhänge.


Verbreitung

Ihr Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich von Afrika bis Indien. Als extrem wanderfreudige Art tritt sie in Europa regelmässig auf. Im Mittelmeerraum kann sie oft eine zweite bodenständige Jahresgeneration hervorbringen. Bei Beobachtungen aus dem Norden, welche selbst aus Skandinavien und sogar Island vorliegen, handelt es sich meistens um umherstreifende Tiere.

In der Schweiz taucht Anax ephippiger einigermassen regelmässig und in Hitzejahren sogar gehäuft auf. Eine Massenentwicklung wurde erstmals 1989 im Aargauer Reusstal beobachtet. Danach kam es erst 2019 wieder in mehreren Nassreisfeldern im Schweizer Mittelland dazu. Die Funde in der Schweiz liegen zwischen 300 bis 600 m. Trotz vereinzelten Entwicklungsnachweisen ist sie nicht dauerhaft bodenständig und dürfte den Winter hier nicht überleben. Beobachtungen dieser Art bleiben bei uns vorerst eine Seltenheit.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: In der Schweiz ab Ende Juli bis Mitte September, abhängig vom Zeitpunkt des Einfluges der Art und den Temperaturen.
Flugzeit: Lange Flugzeit von Mai bis Oktober. Frühe Tiere gehören immer der eingeflogenen Generation an. Beobachtungen ab August können auch einer lokal geschlüpften, zweiten Generation entstammen. In ihrem Hauptverbreitungsgebiet fliegt Anax ephippiger das ganze Jahr über.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Sie kann bei uns an stehenden Gewässern jeglicher Art auftreten, bevorzugt aber seichte, voll besonnte und damit sehr warme Gewässer mit Pioniercharakter. Ganz kahle und sehr dicht bewachsene Gewässer werden nicht besiedelt. Entscheidend für die Auswahl der Entwicklungsgewässer hierzulande sind strukturelle Ähnlichkeiten mit den spärlich bis kaum bewachsenen Wüstentümpeln ihres Ursprungsgebiets.

Lebensweise Imagines

Als Invasionsart tritt Anax ephippiger in Europa nur in einzelnen Jahren vermehrt auf und fehlt in anderen Jahren ganz. Auslöser für ihre Wanderungen in den Norden sind Regenereignisse in der Sahara und anderen Trockengebieten. Dann kann sie sich dort massenhaft entwickeln und wird mit günstigen Winden nach Norden verfrachtet. Mit ihren breiten, bestens zum Segeln ausgerüsteten Flügeln können die Tiere mehrere tausend Kilometer (auch über das offene Meer!) zurücklegen und fliegen dann auch nachts.

Die Männchen erscheinen am späten Vormittag am Wasser und fliegen dort ununterbrochen bis zum Nachmittag und auch dann noch, wenn es anderen Libellen zu heiss ist. Der stete Flug ist dabei oft von Gleitphasen unterbrochen. Sobald ein Weibchen am Gewässer auftaucht, wird es ergriffen und das Paarungsrad gebildet. Die Paarung dauert nur kurz und findet in der Luft oder in der Vegetation statt.

Die Eiablage erfolgt wie bei Anax parthenope im Tandem meist in horizontaler Position. Normalerweise hält sich das Männchen ebenfalls am Substrat fest. Das Weibchen kann manchmal auch allein Eier legen. Die Eier werden in horizontale oder senkrechte Pflanzenteile, Holz oder trockenen Schlamm gestochen.

Der Schlupf erfolgt meistens in der Nacht oder am frühen Morgen. Anders als Anax imperator schlüpft sie bei kühlerem Wetter aber auch während des ganzen Tages. Eine tagsüber schlüpfende Königslibelle (Anax spp.) ist also immer einen zweiten Blick wert! Exuvien findet man an Pflanzen jeglicher Art, direkt am Ufer oder über dem Wasser. Die zweite Generation wandert meistens direkt wieder ab. Über ihr Leben abseits des Wassers ist relativ wenig bekannt. Reifungs-, Jagd- und Ruhehabitate sind weitgehend unerforscht. Mit ihren grossen Augen ist sie gut an die Jagd in der Dämmerung und sogar nachts angepasst.

Lebensweise Larven

Als ursprüngliche Art schnell austrocknender Wüstentümpel ist ihre Entwicklung extrem schnell. Von zugeflogenen Tieren abgelegte Eier entwickeln sich bei uns noch im gleichen Jahr zur zweiten Generation. Weder die Eier noch die Larven können bei uns den Winter überdauern.


Gefährdung & Schutz

Anax ephippiger ist in Europa nicht gefährdet. In der Schweiz gilt sie als Zuwanderer und Vermehrungsgast und ist deshalb in keiner Gefährdungskategorie aufgeführt (NA).

Aufgrund ihres Status als Gastart drängen sich keine speziellen Fördermassnahmen auf. Zur spontanen Fortpflanzung kann sie jedoch von Massnahmen profitieren, die auf Arten wie die Kreuzkröte (Epidalea calamita), den Östlichen Blaupfeil (Orthetrum albistylum) oder die Sumpf-Heidelibelle (Sympetrum depressiusculum) ausgerichtet sind.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    NE - Nicht beurteilt
  • Nationale Priorität:
    Keine
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt
  • DE:

    Keine

  • FR:

    aucun

  • IT:

    nessuno


Ähnliche Arten

Mit blauem «Sattel» auf S2 und brauner Grundfärbung ist die Kleine Königslibelle (Anax parthenope) dieser Art zum Verwechseln ähnlich. Die dritte Vertreterin dieser Gattung in der Schweiz, der Grossen Königslibelle (Anax imperator), unterscheidet sich hingegen deutlich.

Kleine Königslibelle – Anax parthenope
Augen grün (nicht braun). Thorax einheitlich braun ohne gelbe Unterseite. Abdomen wirkt gesamthaft dunkler. Nicht nur S2, sondern auch teilweise S3 blau. Gelber Ring am oberen Rand von S2 (bei reifen Anax ephippiger braun oder fehlend). Kleines Dreieck an der Stirnbasis.
M: Abdomenfärbung düster braun, Sattelfleck deutlich. Untere Hinterleibsanhänge klein, kaum sichtbar.
W: Sattelfleck weniger ausgeprägt bis nicht vorhanden. Obere Hinterleibsanhänge schmal.

Grosse Königslibelle – Anax imperator
Erscheint deutlich grösser und farbiger. Thorax apfelgrün. Augen grünlichblau. In der Mitte der Stirnbasis mit dunklem fünfeckigem Fleck.
M: Im Flug mit leicht nach unten gebogenem Abdomen. Abdomen mehrheitlich leuchtend himmelblau gefärbt.
W: Abdomen mehrheitlich grün gefärbt.