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Familie:

Aeshnidae

Edellibellen

Gattung:

Anax

Königslibellen

DE:

Kleine Königslibelle

EN:

Lesser Emperor

FR:

Anax napolitain

IT:

Anax partenopeo

Imperatore minore

Wissenswertes

Dank Klimaerwärmung breitet sich Anax parthenope zunehmend in den Norden aus und scheint auch bei uns häufiger zu werden. Auffällig sind ihre leuchtend grünen Augen, die braune Grundfärbung und der blaue «Sattel» auf S2.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 62–75 mm

Augen grün, deutlich zum gesamthaft eher dunklen Körper kontrastierend. Thorax ist einheitlich braun. Abdomen meist düster bräunlich gefärbt. S2 und teils S3 blau mit gelbem Basalring an S2 (sieht aus wie ein nach vorn klar abgegrenzter blauer Sattel). Flügel in der Mitte oft leicht bräunlich getönt. Kleines Dreieck an der Stirnbasis. Männchen und Weibchen sehr ähnlich.

Männchen

Abdomenfärbung braun bis braunviolett. Sattelfleck deutlich, blaue Tönung kann manchmal ganzes Abdomen überziehen. Einige Exemplare weisen fast so viel blau auf wie die Grosse Königslibelle (Anax imperator), doch ist das Blau nicht leuchtend, sondern düster.

Weibchen

Düsterer gefärbt als Männchen, Sattelfleck weniger ausgeprägt bis fehlend. Gelber Basalring an S2 stets vorhanden. Die schwarze Mittellinie zieht sich in den blauen Sattel hinein. Die Hinterleibsanhänge sind zugespitzt und haben keinen abgesetzten Endzahn.

Jungtiere

Jungtiere ähnlich farblosen Adulten. Frisch geschlüpfte Exemplare und Exuvien können bei uns nur selten gefunden werden.

Belegfoto

Ganze Libelle von oben, Augen und S2 gut sichtbar.


Verbreitung

Die Art besiedelt ein breites Band von der europäischen Atlantikküste bis zur asiatischen Pazifikküste mit der Südgrenze in der Sahara, der Arabischen Wüste und Südindien. Als thermophile Art in Europa vor allem im Süden und den Tieflagen von Mitteleuropa vorkommend, breitet sie sich zunehmend Richtung Norden aus. So gibt es aus den letzten Jahren immer mehr Nachweise aus Grossbritannien, dem Baltikum und Skandinavien.

In der Schweiz ist sie in tieferen Lagen inzwischen weit verbreitet. Vermutlich ist sie bei uns erst etwa seit den 1970er Jahren bodenständig.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Zwei Maxima; Ende Mai bis Anfang Juni und Mitte August bis Mitte September.
Flugzeit: Lang; Mai bis in den September.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Bewohnt hauptsächlich grössere, thermisch begünstigte Stillgewässer mit gut entwickelter Vegetation und zentraler offener Wasserfläche. In wärmeren Jahren nutzt sie ein breiteres Habitatsspektrum und kann auch an kleineren Teichen oder Pioniergewässern gefunden werden. Dort kann sie dann bei guten Temperaturverhältnissen eine zweite Jahresgeneration ausbilden.

Lebensweise Imagines

Die Reifezeit verbringt Anax parthenope abseits der Entwicklungsgewässer und jagt dort bei grossem Beuteangebot auch in kleineren Gruppen. Dabei kann sie Tiere erbeuten, die nur wenig kleiner als sie selber sind.

Während der Paarungszeit unternimmt die Art weiträumige Patrouillenflüge auch ausserhalb der Gewässer. Die Tiere sind eher scheu und werden oft nur für wenige Sekunden oder nur auf grössere Distanz beobachtet. Dies macht ihre Erfassung relativ schwierig.
Die Männchen kommen oft erst mittags ans Wasser und patrouillieren ausdauernd und lange Strecken entlang eher monotoner Uferabschnitte. Selten sitzen sie zwischendurch auch ab. Die Art kommt oft in gleichen Gebieten vor wie die Grosse Königslibelle (Anax imperator) und wird häufig von dieser verjagt.

Die Eiablage erfolgt im Unterschied zu den übrigen einheimischen Edellibellen (Aeshnidae) im Tandem. Die Eier werden in lebende und tote Pflanzenteile gestochen. Dabei hält sich das Männchen ebenfalls am Substrat fest. Das Weibchen kann auch alleine Eier legen. Der Griff der männlichen Hinterleibsanhänge im Tandem hinterlässt beim Weibchen typische Eindellungen hinter dem Auge, was bei anderen Arten selten vorkommt.

Exuvien werden bei uns nur sehr selten gefunden, was teilweise auch an ihrer Ähnlichkeit mit denen der Grossen Königslibelle (Anax imperator) liegt. Exuvien von Königslibellen (Anax spp.) sollten darum immer sehr genau betrachtet werden.

Lebensweise Larven

Überwintert in der Regel als Larve. Die Dauer der Entwicklung ist stark von der Wassertemperatur abhängig und beträgt gewöhnlich ein bis zwei Jahre. Bei günstigen Bedingungen kann sie bei uns zwei Generationen pro Jahr hervorbringen. Die Larven leben auf dem Gewässergrund, zwischen Pflanzenteilen oder Treibgut. Der Schlupf findet an senkrechten, emersen Pflanzenteilen statt.


Gefährdung & Schutz

Anax parthenope ist weder in Europa noch in der Schweiz gefährdet (LC). Als wärmeliebende Art haben sich ihre Bestände in der Schweiz in letzter Zeit positiv entwickelt. Gleichzeitig wird sie europaweit immer weiter im Norden nachgewiesen. Es ist anzunehmen, dass sie von einer Erwärmung des Klimas profitiert, und darum wohl auch in den kommenden Jahren eher noch häufiger werden wird.

Fördern lässt sie sich durch Erhaltung, Pflege und Neuschaffung grösserer Weiher.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität:
    Keine
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt
  • DE:

    Keine

  • FR:

    aucun

  • IT:

    nessuno


Ähnliche Arten

Eine Verwechslung mit anderen meist braun gefärbten Edellibellen (Aeshnidae) ist möglich. Am ähnlichsten ist die Schabracken-Königslibelle (Anax ephippiger), welche ebenfalls einen blauen Sattelfleck auf S2 aufweist. Zudem ähneln blaue Exemplare der Grossen Königslibelle (Anax imperator), welche in denselben Lebensräumen viel häufiger ist. Auch kann es zur Verwechslung mit der Keilfleck-Mosaikjungfer (Isoaeschna isoceles) kommen, welche ebenfalls grüne Augen hat.

Schabrackenlibelle-Königslibelle – Anax ephippiger 
Grundfarbe eher hellbraun bis strohgelb (nicht düster braun). Blauer Sattel auf S2 unten klar abgegrenzt (kein blau auf S3). Unterseite von S2 ist jedoch gelblich, nicht blau. Augen sind auffällig gross und oben braun, unten grünlich-gelb. Obere Hinterleibsanhänge zugespitzt.
M: Mittellinie des Abdomens beginnt erst auf S3. Untere Hinterleibsanhänge dreieckig mit kleinen Zähnchen.
W: Blauer Sattelfleck weniger ausgeprägt bis fehlend. Obere Hinterleibsanhänge sehr breit.

Grosse Königslibelle – Anax imperator 
Augen grünlichblau. Abdomen stets mit breiter, dunkler Mittellinie. Thorax apfelgrün.
M: Abdomen im Flug leicht nach unten gebogen. Abdomen mehrheitlich leuchtend himmelblau gefärbt.
W: Abdomen mehrheitlich grün gefärbt.

Keilfleck-Mosaikjungfer – Isoaeschna isoceles 
Grundfarbe viel heller orangerot und nicht düster. Thoraxseiten weisen zwei deutliche gelbe Bänder auf. S2 mit gelbem Keil, nie mit blauem Sattel.