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Familie:

Gomphidae

Flussjungfern

Gattung:

Gomphus

Keiljungfern

DE:

Gelbe Keiljungfer

EN:

Yellow Clubtail

FR:

Gomphus similaire

IT:

Gonfo simile

Wissenswertes

In der Schweiz kommt Gomphus simillimus hauptsächlich am Hochrhein vor. Insgesamt wirkt sie leuchtender gelb als andere Flussjungfern. Zur sicheren Abgrenzung von anderen Arten derselben Gattung sollte die Art aus mehreren Perspektiven fotografiert werden. Gomphus simillimus wird am einfachsten über Exuvienfunde nachgewiesen.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 47–50 mm

Grundfarbe leuchtend gelb, Abdomen oberseits schwarz, mit durchgehender gelber Mittellinie. Thoraxseite mit nur zwei kompletten schwarzen Linien (mittlere Linie nur angedeutet), hinterste Linie gegen das Bein hin gegabelt. Thoraxoberseite mit dicken schwarzen Linien. Augen blau. Beine schwarz mit dünnen gelben Längsstreifen. Männchen und Weibchen ähnlich.

Männchen

Hinteres Abdomen keilförmig verbreitert.

Weibchen

Hinteres Abdomen nur leicht keilförmig verbreitert.

Jungtiere

Gleiche Merkmale wie Adulte, Augen graubraun.

Belegfoto

Thoraxseiten möglichst detailliert, Beine gut sichtbar oder ganze Libelle von oben, hinteres Abdomen (vor allem S8) gut sichtbar.


Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet liegt im westlichen Mittelmeerraum. Schwerpunkte liegen in Frankreich, Spanien (Nominatform) und Marokko (Unterart G. s. maroccanus). In Tunesien und Algerien wird sie von der sehr ähnlichen G. lucasii abgelöst.

Die Schweizer Populationen liegen am östlichen Rand ihres Verbreitungsgebietes. Gomphus simillimus wurde bei uns erstmals 1835 nachgewiesen. Die meisten der aktuellen Nachweise stammen vom Rhein, vorwiegend zwischen Rheinau und Laufenburg. Es gibt jedoch auch Nachweise von der Limmat, Glatt und Thur. Die Art scheint sich weiter auszubreiten. Ihre Höhenverbreitung beschränkt sich auf 300 bis 400 m.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Anfang Juni bis Mitte Juli
Flugzeit: Mitte Juni bis Mitte August.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Gomphus simillimus besiedelt grosse, warme und klare Tieflandflüsse sowie grundwasserbeeinflusste Giessen, Altarme und Baggerseen. Die besiedelten Gewässer sind meist von Ufergehölzen oder Auenwäldern umgeben.

Die Larven besiedeln vorzugsweise sandigen Grund, der mit Laubdetritus bedeckt ist. Sie können auch auf kiesigen Grund ausweichen. Die Strömung an den besiedelten Stellen ist schwach. Am Hochrhein sind Stauwurzeln oder Sedimentablagerungen im Strömungschatten zum Beispiel hinter Buhnen besiedelt.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit verbringen die Tiere oft weit weg vom Wasser.

Reife Männchen sitzen meist landseits auf Steinen, Kiesflächen und Wegen oder auch wasserseits auf Vegetation und warten auf Weibchen. Von dort aus fliegen sie kurze Strecken und sitzen denn wieder ab. Die Paarung findet am Ufer statt und dauert bis zu zwei Stunden.

Nach der Paarung presst das Weibchen am Ufer sitzend einen Eiballen aus, welches es dann paketweise an strömungsberuhigten Stellen im Fluss aus dem Flug direkt ins Wasser abstreift.

Der Schlupf findet meist vormittags unweit vom Wasser auf Steinen oder an Pflanzen statt. Exuvien hängen meist in senkrechter Position an Uferpflanzen, Abbruchkanten oder Ufermauern, können aber auch flach auf Steinen liegen.

Die Exuvien sind am einfachsten von der Wasserseite her zu finden. Die Ufer werden dazu schwimmend oder besser noch mit einem Schlauchboot im Juni oder Juli abgesucht.

Lebensweise Larven

Gomphus simillimus überwintert als Larve. Die Larven halten sich an strömungsberuhigten Stellen in sandigen oder schlammigen Sedimenten eingegraben nahe dem Ufer auf und suchen in der Nacht aktiv nach Nahrung. Trocknet das Gewässer aus, können sie eine gewisse Zeit im feuchten Sand überleben. Die Entwicklung dauert insgesamt drei Jahre oder länger.

Die Larve schwimmt vor dem Schlupf ans Ufer und kann dabei abgedriftet werden. Der Schlupfort muss daher nicht unmittelbar bei einem Larvenhabitat liegen.  


Gefährdung & Schutz

Im Hauptverbreitungsgebiet in Südwesteuropa ist die Art relativ häufig, hat aber ein kleines Verbreitungsgebiet. Sie ist auf der Europäischen Rote Liste aller 27 Länder als endemische, potenziell gefährdete Art (NT) eingestuft. In der Schweiz ist sie selten und nur sehr lokal verbreitet, weshalb Gomphus simillimus hier als stark gefährdet (EN) und als national prioritäre Art eingestuft wurde.

Wichtig ist, Öffentlichkeit und Behörden über Vorkommen von Gomphus simillimus zu informieren. Somit kann bei Eingriffen und Unterhaltsarbeiten speziell Rücksicht genommen und der Freizeitbetrieb eingeschränkt werden. Fördern lässt sich die Art durch Revitalisierungen in den Uferbereichen, welche die Strömungsvielfalt erhöhen. Dabei sind aber grossflächige Kiesschüttungen zu vermeiden. Uferabflachungen sind für die Art nicht nötig oder gar negativ, wenn dadurch Tritt und Badebetrieb zunehmen. Flachwasserzonen von 20 bis 60 cm Tiefe an strömungsarmen Orten mit Feinsedimenten sind optimale Larvenhabitate.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    EN - Stark gefährdet
  • NHV:
    Geschützt
Artenschutzblatt

Ähnliche Arten

Gomphus simillimus kann mit allen Arten der Familie Gomphidae verwechselt werden. Am ähnlichsten erscheint die an Fliessgewässern häufige Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus). Diese besiedelt ähnliche Larvenhabitate und hat ähnliche Exuvien, schlüpft aber etwas früher.

Weitere ähnliche Arten sind die an Stehgewässern vorkommende Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus) und die seltene, ebenfalls am Rhein vorkommende Eurasische Keulenjungfer (Stylurus flavipes). Bei den Zangenlibellen (Onychogomphus spp.) kann es einzig zur Verwechslung mit Weibchen kommen, da Männchen leicht an den zangenförmigen Hinterleibsanhängen zu erkennen sind.

Auch die Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) ähnelt Gomphus simillimus in Gestalt und Verhalten. Kopf, Thorax und oberes Abdomen sind bei ausgefärbten Individuen jedoch grün.

Gemeine Keiljungfer – Gomphus vulgatissimus
S8–S10 oberseits dunkel (immer ohne gelben Fleck in der Mitte). Beine komplett schwarz.

Westliche Keiljungfer – Gomphus pulchellus
Thoraxseiten mit durchgehendem, leicht gewelltem schwarzem Mittelstrich.
M: Abdomenende kaum keilförmig verbreitert.

Eurasische Keulenjungfer – Stylurus flavipes
Etwas grösser und schlanker. Hinterste schwarze Linie an Thoraxseite gegen das Bein hin nicht gegabelt. Schenkel weitgehend gelb. Thoraxoberseite mit typischer «T»-Zeichnung.

Zangenlibellen – Onychogomphus spp. 
M: Grosse, zangenförmige Hinterleibsanhänge (unverwechselbar).
W: Abdomenoberseite mit gelben, oben breiten dreieckigen Flecken (keine durchgehende Linie).

Grüne Flussjungfer – Ophiogomphus cecilia
Oberkörper vom Kopf über den Thorax bis S2 vollständig grün.