Stylurus flavipes
DE:
Eurasische Keulenjungfer
Asiatische Keiljungfer
EN:
River Clubtail
Yellow-legged Clubtail
FR:
Gomphus à pattes jaunes
IT:
Gonfo a zampe gialle
Gonfo zampegialle
Gomphus flavipes
Wissenswertes
Stylurus flavipes wurde bislang den Keiljungfern (Gattung Gomphus) zugeordnet. Aufgrund molekulargenetischer Studien gehört die Art nun zu den Keulenjungfern (Gattung Stylurus). Stylurus flavipes ist eine typische Libelle grosser Fliessgewässer und die grösste Art der Gattungen Gomphus und Stylurus. In der Schweiz wurde sie zum ersten Mal im Jahr 2008 nachgewiesen. Alle Beobachtungen stammen vom Oberrhein und seit 2022 auch von der Rhone unterhalb von Genf; meistens anhand von Exuvien.
Merkmale
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Gesamtlänge: 50–55 mm
Grundfarben gelb und schwarz. Thoraxoberseite mit deutlich gelber T-Zeichnung und beidseitig mit je einem ovalen, fast vollständig von schwarz umrandetem gelbem Fleck. Abdomen schmal, oberseits schwarz mit gelber Mittellinie (auch S8 und S9 in der Mitte gelb). Mittlerer schwarzer Streifen auf den Thoraxseiten nicht durchgehend, hinterster schwarzer Streifen zu den Beinen hin nicht gegabelt. Schenkel weitgehend gelb, Schienen schwarz mit gelben Streifen. Männchen und Weibchen ähnlich.
Männchen
Thorax im Alter mit Grünstich (nie sattgrün wie bei der Grünen Flussjungfer, Ophiogomphus cecilia). Abdomen an S8 und S9 stark verdickt, dadurch deutlich keulenartig wirkend. Augen blau.
Weibchen
Grundfarbe leuchtend gelb. Abdomen etwas weniger schlank und weniger keilförmig verbreitert. Augen grünlich.
Jungtiere
Junge Männchen sind wie Weibchen leuchtend gelb, Augen hell.
Belegfoto
Ganze Libelle von oben, Thoraxoberseite gut sichtbar, Thoraxseiten und Beine möglichst detailliert.
Verbreitung
Das europäische Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Frankreich bis Griechenland und Estland. In Mitteleuropa kommt Stylurus flavipes nur lückig vor und beschränkt sich vor allem auf grosse Ströme. Aktuell scheint die Art sich in Mitteleuropa wieder auszubreiten. In der Türkei wird sie von der sehr ähnlichen Syrischen Keulenjungfer (Stylurus ubadschii) abgelöst, die manchmal auch als Unterart angesehen wird.
In der Schweiz wurde Stylurus flavipes 2008 zum ersten Mal nachgewiesen. Alle Beobachtungen gelangen am Oberrhein und seit 2022 auch an der Rhone, meistens anhand von Exuvien. Es fehlt bisher eine solide Datengrundlage.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: In Mitteleuropa zeitlich ausgedehnt und wenig synchronisiert von Ende Mai bis Anfang August, in der Schweiz weitgehend unbekannt.
Flugzeit: In Europa Anfang Juni bis Anfang Oktober.
Lebensraum
Stylurus flavipes kommt hauptsächlich an grösseren Strömen und Unterläufen von Flüssen vor. Wichtig sind eine feinsandige Sohle und strömungsberuhigte Stellen. Besiedelt werden auch Altarme mit schwacher Strömung.
In der Schweiz wurde die Art bisher ausschliesslich am Rhein gefunden.
Lebensweise Imagines
Während der relativ langen Reifungszeit (ca. 2 Wochen) können sie sehr weit vom Wasser weg fliegen. Über Wiesen jagen sie in wellenförmigem Flug.
Paarungsbereite Männchen sitzen gerne auf sonnigen Sandufern, von wo aus sie zu längeren Patrouillenflügen über das Wasser starten. Die Paarung wird im Flug eingeleitet und endet im Sitzen.
Das Weibchen streift die Eier aus dem Flug direkt ins Wasser ab. Auf grössere Distanz kann es dabei an ein eierlegendes Weibchen des Grossen Blaupfeils (Orthetrum cancellatum) erinnern.
Weibchen werden generell selten beobachtet, da sie sich entweder im Landhabitat oder über dem Wasser breiter Flüsse aufhalten.
Die Larven kriechen vor dem Schlupf meist eine kurze Strecke über Land bis sie geeignetes Substrat finden. Exuvien sind auf Steinen, Pflanzen oder auf dem Sandboden zu finden. Neue Nachweise werden am einfachsten über Exuvien erbracht. Dazu ist die Suche vom Wasser her mit einem Schlauchboot zu empfehlen.
Lebensweise Larven
Den ersten Winter verbringt Stylurus flavipes im Eistadium. Die Larve schlüpft im folgenden Februar/März. Die Larven halten sich ausschliesslich im Substrat auf dem Gewässergrund auf. Die Entwicklung dauert insgesamt zwei bis vier Jahre.
Gefährdung & Schutz
Diese Art ist in Europa aufgrund der relativ heimlichen Lebensweise weniger bekannt als andere Arten. Sie gilt gesamteuropäisch als nicht gefährdet und scheint sich seit 1990 weiter auszubreiten. Regional wird die Situation unterschiedlich eingeschätzt. In der Schweiz ist sie aufgrund mangelnder Datengrundlage keiner Gefährdungskategorie zugeordnet (DD).
Zu Schutz- und Fördermassnahmen ist bisher wenig bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, dass sie von Schutzmassnahmen, die auf andere Flussjungfern (Familie Gomphidae) ausgerichtet sind, ebenso profitieren kann, insbesondere von strukturellen Verbesserungen der Fliessgewässer.
Status Schweiz
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Rote Liste CH:DD - Ungenügende Datengrundlage
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Nationale Priorität:Keine
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NHV:-
Artenschutzblatt
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DE:
Keine
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FR:
aucun
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Stylurus flavipes kann mit allen anderen Flussjungfern (Familie Gomphidae) verwechselt werden. Am ähnlichsten erscheinen die bei uns häufige Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus), die an Stehgewässern vorkommende Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus) und die ebenfalls seltene Gelbe Keiljungfer (Gomphus simillimus). Bei den Zangenlibellen (Onychogomphus spp.) kann es einzig zur Verwechslung mit Weibchen kommen. Männchen der Zangelibellen sind leicht an den zangenförmigen Hinterleibsanhängen zu erkennen. Auch die Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) ähnelt Stylurus flavipes in Grösse, Gestalt und Verhalten. Kopf, Thorax und vorderer Abdomenbereich sind jedoch grün.
Gemeine Keiljungfer – Gomphus vulgatissimus
Etwas kleiner. S8–S10 dunkel (immer ohne gelbe Flecken in der Mitte). Beine komplett schwarz. Thorax ohne typische T-Zeichnung.
Westliche Keiljungfer – Gomphus pulchellus
Etwas kleiner. Thoraxseiten mit durchgehendem, leicht gewelltem schwarzem Mittelstrich.
M: Abdomenende im Bereich von S8 und S9 kaum keulenförmig verdickt. Thoraxoberseite ohne typische T-Zeichnung.
Gelbe Keiljungfer – Gomphus simillimus
Etwas kleiner. Abdomen breiter. Hinterste schwarze Linie an Thoraxseite gegen das Bein hin gegabelt. Beine mehr schwarz, nur mit dünnen, gelben Längsstreifen. Thoraxoberseite ohne typische T-Zeichnung.
Zangenlibellen – Onychogomphus spp.
M: Grosse, zangenförmige Hinterleibsanhänge (unverwechselbar).
W: Abdomenoberseite mit gelben, oben breiten dreieckigen Flecken (keine durchgehende Linie). Thoraxoberseite ohne typische T-Zeichnung.