Sympetrum flaveolum
Familie:
Libellulidae
Segellibellen
Gattung:
Sympetrum
Heidelibellen
DE:
Gefleckte Heidelibelle
EN:
Yellow-winged Darter
FR:
Sympétrum jaune d’or
IT:
Simpetro dorato
Cardinale dorato
Wissenswertes
In der Schweiz nur sehr lokal verbreitet und selten. Der Rückgang, der nach 1950 eingesetzt hatte, setzte sich auch in den letzten Jahrzehnten fort. Im Jura, wo es in den letzten 20 Jahren noch zahlreiche Vorkommen gab, nahm die Anzahl Standorte mit Fortpflanzung ab. Mit ihren auffällig gelb gefärbten Hinterflügelbasen ist auch nicht davon auszugehen, dass die Art oft übersehen wird. Als typische Wanderart kann sie fast überall sporadisch auftreten. Beobachtungen sollen fotografisch dokumentiert und gemeldet werden.
Merkmale
-
Gesamtlänge: 32–37 mm
Hinterflügelbasis mit sehr grossem, gelbem Fleck (teils bis zum Nodus), Vorderflügelbasis meist auch gelb. Pterostigmen braun-rot, Beine mit gelbem Längsstreifen. Männchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich durch die Körperfarbe.
Männchen
Abdomen orange, seitlich und unterseits schwarz und gerade (nicht keulenförmig oder abgeflacht).
Weibchen
Abdomen gelb, mit ununterbrochenem schwarzen Längsstrich auf beiden Seiten. Häufig mit gelbem Fleck um den Nodus, Flecken können im Alter auch verblassen.
Jungtiere
Selbe Merkmale wie Weibchen, blasser. Pterostigmen weiss.
Belegfoto
M/W: Sicht auf Flügel oder Abdomenseite und Augen.
Verbreitung
Der europäische Verbreitungsschwerpunkt liegt im Nordosten. In Mitteleuropa gibt es nur vereinzelte Vorkommen. In südlicheren Regionen besiedelt die Art hauptsächlich höher gelegene Standorte, eine Tendenz, die sich auch in der Schweiz zunehmend bemerkbar macht.
In der Schweiz war Sympetrum flaveolum im 19. Jahrhundert in den grossflächigen Moorlandschaften des Mittellandes weit verbreitet und wurde in der ganzen Schweiz beobachtet, wenn auch kaum jemals richtig häufig. Als ausgesprochene Wanderart wurde Sympetrum flaveolum in den letzten Jahren zudem vereinzelt im Mittelland und an der Alpennordflanke beobachtet. Individuenreiche Zuwanderungen, welche die lokalen Populationen stärkten oder zu kurzzeitigen Neuansiedlungen führten, wurden letztmals 2005 beobachtet. So gab es in den letzten Jahren nur noch aus dem Jura Fortpflanzungsnachweise (Kantone VD, NE, JU). Und kürzlich hat sich Sympetrum flaveolum im Oberwallis auf über 2000 m angesiedelt, wo aktuell eine individuenreiche Population besteht.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Mitte Juni bis Ende August (in höheren Lagen erst ab Mitte Juli).
Flugzeit: Ende Juni bis Oktober (Schwerpunkt: Mitte Juli bis Ende August).
Lebensraum
Sympetrum flaveolum besiedelt wassergefüllte Mulden mit Flachmoorvegetation, Verlandungszonen grösserer Stehgewässer, seichte, stark verwachsene Torfgewässer und selten auch Abbaugewässer. Bevorzugt werden grössere (>0.5 ha), wenig tiefe Gewässer mit flachen Ufern und starken Wasserstandsschwankungen in offenen Landschaften. Im Winter und Frühling müssen die Gewässer überflutet sein, im Spätsommer können sie auch komplett austrocknen.
Lebensweise Imagines
Die Reifungszeit verbringen frisch geschlüpfte Tiere in der Nähe des Fortpflanzungsgewässers. Bei Sympetrum flaveolum kommt es manchmal zu Massenwanderungen. Die Art taucht häufig auch an ungeeigneten Gewässern auf.
Fortpflanzungsbereite Männchen patrouillieren tief über der Wasservegetation und suchen nach Weibchen. Bei kühlen Temperaturen wechseln sie die Abdomenfarbe von orange zu braunrot und werden bei Wärme schnell wieder orange (reversibler Farbwechsel). Die Paarung wird am Gewässer eingeleitet und in nahen Wiesen beendet.
Die Eier werden im Tandem aus dem Wippflug in die Ufervegetation oder auf den Boden abgeworfen. Gelegentlich legt das Weibchen auch alleine Eier.
Die Exuvien sind an senkrechten Pflanzenteilen zu finden.
Lebensweise Larven
Sympetrum flaveolum überwintert in tieferen Lagen im Larvenstadium, in höheren Lagen im Ei und schlüpft erst im Frühling. Wenn die Eier nicht befeuchtet werden, können sie vermutlich bis zu zwei Winter überstehen. Die Larven halten sich auf dem schlammigen Gewässergrund der Flachufer auf.
Gefährdung & Schutz
In der Schweiz ist Sympetrum flaveolum vom Aussterben bedroht (CR) und gilt als nationale Prioritätsart. Auch in Europa gilt sie gemäss aktueller Roter Liste inzwischen als stark gefährdet (EN). In der Schweiz sind viele geeignete Entwicklungsgewässer aufgrund der Entwässerung weiter Teile des Mittellands bereits im 19. Jahrhundert verschwunden. Heute zählen steigende Durchschnittstemperaturen und (zu) rasche Austrocknung der Entwicklungsgewässer im Frühsommer zu den wichtigsten Gefährdungsursachen. Weiter ist die Art durch verstärkte Nutzung des Grundwassers, Entwässerung, Nährstoffeinträge in Stillgewässer, Viehtritt sowie Verlandung und Beschattung bedroht.
Wichtig sind der Erhalt von Fortpflanzungsgewässern und die Neuanlage von Flutmulden mit schwankendem Wasserstand. Weiter sind die Wiedervernässung von Flachmooren, Auszäunen von Gewässern in beweideten Gebieten, Unterlassen von Fischbesatz, abschnittsweises Mähen der Vegetation in Flutmulden, Wiederherstellen offener Bereiche und Mähen von Schilf (gewisse Bereiche stehen lassen oder spät mähen). Zudem sollen neue geeignete Gewässer nahe den vorhandenen Vorkommen geschaffen werden.
Status Schweiz
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Rote Liste CH:CR - Vom Aussterben bedroht
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NHV:Geschützt
Artenschutzblatt
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DE:
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FR:
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Keine andere Libelle in der Schweiz hat dermassen ausgedehnte gelbe Flügelbasen. Die ähnlichste Art ist die Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii). Bei dieser ist das Männchen ebenfalls rot (Weibchen gelb) gefärbt und beide Geschlechter haben einen gelben Fleck an der Hinterflügelbasis. Auch die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) ist rot (gelb) gefärbt und hat einen gelben Fleck an der Hinterflügelbasis. Es kann auch zur Verwechslung mit allen anderen Heidelibellen (Sympetrum spp.) kommen, welche ebenfalls rot/gelb gefärbt sind. Beim Kleinen Blaupfeil (Orthetrum coerulescens) und Südlichen Blaupfeil (Orthetrum brunneum) kann es nur bei Weibchen zu Verwechslungen kommen.
Frühe Heidelibelle – Sympetrum fonscolombii
Gelber Fleck an Hinterflügelbasis weniger ausgedehnt, Augenunterseite blau, Pterostigmen hell und dunkel umrandet.
M: Rote Flügeladern. Heller Strich auf Thoraxseiten.
W: Gelbe Flügeladern.
Feuerlibelle – Crocothemis erythraea
Gelber Fleck an Hinterflügelbasis klein, Abdomen abgeflacht und verbreitert. Augen-Hinterrand blau.
M: Beine, Augen und Gesicht komplett rot.
W: Weisser Streifen zwischen Flügelbasen.
Weitere Heidelibellen – Sympetrum spp.
Kein grosser gelber Fleck an Hinterflügelbasis (ausser Frühe Heidelibelle – Sympetrum fonscolombii).
M: Abdomen nie rot mit schwarzer Seite und Unterseite.
W: Abdomen nie mit deutlichem schwarzem, durchgehendem Seitenstrich (ausser Frühe Heidelibelle – Sympetrum fonscolombii).
Südlicher Blaupfeil – Orthetrum brunneum und Kleiner Blaupfeil – Orthetrum coerulescens
W: Hinterflügelbasis ohne gelben Fleck, Augen blau-grau, Abdomen mit schwarzem Mittelstrich und kleinen Querbalken/beidseitigen Punkten.