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Familie:

Libellulidae

Segellibellen

Gattung:

Orthetrum

Blaupfeile

DE:

Kleiner Blaupfeil

EN:

Keeled Skimmer

FR:

Orthétrum bleuissant

IT:

Orthetrum azzuro

Frecciazzurra minore

Wissenswertes

Typische Art von Quellmooren und kleinen Bächen, kommt gelegentlich auch an langsam fliessenden Kanälen vor. Bei uns der kleinste Blaupfeil. Früher war die Art häufig, danach sind die Bestände vermutlich wegen Gewässerverschmutzung stark eingebrochen. Seit einigen Jahren scheint sich die Art wieder zu erholen, ist aber nach wie vor nicht häufig. Sehr ähnlich der häufigeren Schwesterart, dem Südlichen Blaupfeil (Orthetrum brunneum), mit der sie sich den Lebensraum manchmal teilt.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 36–45 mm

Der kleinste aller Blaupfeile in der Schweiz. Thorax meist mit hellen Antehumeralstreifen. Pterostigmen gelblich und lang (ca. 4 mm). Männchen und Weibchen sind sehr unterschiedlich gefärbt.

Männchen

Hinterleib komplett blau bereift, Thorax beim Jungtier braun, im Alter teilweise auch blau bereift. Gesicht gelblich-bräunlich, Augen blau.

Weibchen

Körper komplett gelblich bis bräunlich. Hinterleib mit dünner schwarzer Mittellinie und am Ende jedes Segmentes mit kurzen Querbalken («Strickleiter»; Balken selten auch in zwei Punkte aufgelöst wie beim Südlichen Blaupfeil, Orthetrum brunneum). Thoraxoberseite mit heller Linie zwischen den Flügelbasen. Unterseite von S8 nicht bauchig erweitert. Flügelansätze leicht gelblich.

Jungtiere

Gleiche Merkmale wie Weibchen, heller. Antehumeralstreifen und weisser Strich zwischen Flügelbasen besonders deutlich. Blaupfeile färben eher langsam aus, dabei entstehen bei den Männchen während der Reifezeit verschiedene Übergangsformen.

Belegfoto

M: Sicht auf Abdomen und Thorax mit Stirn.
W: Sicht von oben auf Abdomen.


Verbreitung

Von Irland über Süd-Skandinavien bis Russland weit verbreitet. Verbreitungsgrenze etwas weiter nördlich als beim Südlichen Blaupfeil (Orthetrum brunneum), kommt aber auch in ganz Südeuropa vor.

Kommt in der Schweiz verbreitet in tieferen Lagen aller Landesregionen vor, inklusive Rheintal, Wallis und spärlich in der Zentralschweiz. Am häufigsten ist die Art im östlichen Mittelland und im Tessin, in der Westschweiz ist sie ziemlich selten. Die meisten Vorkommen liegen unter 800 m, wandernde Individuen wurden bis 1800 m beobachtet.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Ende Mai bis Anfang August.
Flugzeit: Anfang Juni bis Anfang September.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Orthetrum coerulescens besiedelt hauptsächlich langsam fliessende, sehr flache, sich rasch erwärmende, kleine Gewässer, welche oft von Grundwasser beeinflusst sind. Wichtig sind offene, sichtbare Wasserflächen und gute Besonnung im Sommer sowie winterliche Eisfreiheit, hoher Sauerstoffgehalt und Feinsedimente am Grund. Die Ufervegetation ist meist stufig und 20 bis 40 cm hoch. In der Schweiz besiedelt die Art vor allem Hangmoore, Grundwasseraufstösse, kanalisierte Kleingewässer sowie Wiesengräben und kleine Bäche mit langsam fliessendem Wasser. In höheren Lagen werden Gewässer mit Torfgrund bevorzugt.

Lebensweise Imagines

Die Reifungszeit verbringen die Tiere in Flachmoorwiesen, auf Waldlichtungen oder auf Heideflächen. Manche Individuen wandern dabei auch weit umher, wobei sie sich an linearen Leitstrukturen orientieren. So werden neu entstandene geeignete Gewässer relativ schnell besiedelt, sofern das Wasser nicht vollständig von Vegetation bedeckt ist.

Geschlechtsreife Männchen besetzen am Gewässer Sitzwarten, welche sie gegen Rivalen verteidigen. Dazwischen machen sie kurze Flüge über dem Gewässer. Ein am Gewässer erscheinendes Weibchen wird sofort ergriffen, die Paarung wird noch im Flug eingeleitet und entweder in niedriger Vegetation oder am Boden beendet.

Erfolgt die Eiablage gleich nach der Paarung, bewacht das Männchen das Eier legende Weibchen im Rüttelflug. Das Weibchen legt die Eier mit wippenden Bewegungen über Stellen mit seichtem oder träge fliessendem Wasser ab. Dabei schlägt es das Abdomen wiederholt ins Wasser und gibt die Eier ab.

Der Schlupf findet am Gewässerrand an senkrechten Pflanzenteilen statt.

Lebensweise Larven

Orthetrum coerulescens überwintert im Larvenstadium, die Entwicklung dauert meist zwei Jahre, unter günstigen Bedingungen ein Jahr. Individuen mit zweijähriger Entwicklung schlüpfen meist am Anfang der Emergenzperiode, solche mit einjähriger Entwicklung eher am Ende. Larven leben im Schlamm/Feinsand am Gewässergrund. Sie können mit Fischen koexistieren, sind aber ziemlich sauerstoffbedürftig.


Gefährdung & Schutz

In der Schweiz ist Orthetrum coerulescens nicht gefährdet (LC). Im 20. Jahrhundert sind die Bestände stark zurückgegangen. Heute sind die Populationen stabil. In Primärlebensräumen ist die Zerstörung der Habitate (insbesondere die Entwässerung von Hang- und Quellmooren) die Hauptgefährdungsursache, in Sekundärlebensräumen sind es Nährstoffeintrag, Verbuschung sowie umfassende und häufige Sohlenreinigungen von Gräben und Bächen.

Wichtig sind der Erhalt des Wasserregimes in Primärlebensräumen sowie eine angepasste Pflege in Sekundärgewässern. Dazu gehört das Entbuschen/Auslichten von Ufergehölzen, eine Herbstmahd bei vegetationsreichen Hangmooren, eine einseitige Sommermahd von Bach- und Grabenufern sowie eine räumlich und zeitlich gestaffelte Entkrautung und Sohlenräumung von zuwachsenden Bächen und Gräben. Zusätzlich können Stauwehre gegen sommerliches Austrocknen eingerichtet werden.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    LC - Nicht gefährdet
  • Nationale Priorität:
    Keine
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt
  • DE:

    Keine

  • FR:

    aucun

  • IT:

    nessuno


Ähnliche Arten

Orthetrum coerulescens muss besonders sorgfältig von der ähnlichen Schwesterart dem Südlichen Blaupfeil (Orthetrum brunneum) abgegrenzt werden, die allgemein häufiger und weiter verbreitet ist. Vor allem bei den Männchen kommen die beiden grösseren Blaupfeile (Östlicher Blaupfeil, Orthetrum albistylum und Grosser Blaupfeil, Orthetrum cancellatum) sowie die blau gefärbten Männchen der Gattung der Segellibellen (Libellula spp.) ebenfalls als Verwechslungsarten in Frage. Die Weibchen müssen dagegen eher von Weibchen der Gattungen der Feuerlibellen (Crocothemis spp.) und der Heidelibellen (Sympetrum spp.) unterschieden werden.

Südlicher Blaupfeil – Orthetrum brunneum
Bevorzugt stehende, vegetationsarme Pioniergewässer. Etwas grösser, ohne Antehumeralstreifen.
M: Abdomen ebenfalls komplett blau bereift. Gesicht weisslich, Thorax komplett blau bereift. Flügelmal rötlich-braun und kleiner.
W: Abdomen braun-gelb. Flügelmal kurz. Unterseite von S8 bauchig erweitert. Schwarze, dünne Mittellinie auf Hinterleib mit schwarzen paarweisen Punkten auf beiden Seiten der Linie am Ende jedes Segments.

Grosser Blaupfeil – Orthetrum cancellatum und Östlicher Blaupfeil – Orthetrum albistylum
M: Nur obere Hälfte des Abdomens blau bereift, untere Hälfte schwarz. Flügelmal schwarz.
W: Schwarze Längslinien auf Abdomenseiten.

Spitzenfleck – Libellula fulva und Plattbauch – Libellula depressa
M: Schwarzes Dreieck an Hinterflügelbasis, Abdomen breiter und flacher, Thorax dunkel.

Feuerlibelle – Crocothemis erythraea
W: Ebenfalls mit hellen Antehumeralstreifen und hellem Strich zwischen Flügelbasen. Heller Strich prominenter als Antehumeralstreifen. Ockergelber Fleck an Hinterflügelbasis. Abstehende Legescheide.

Heidelibellen – Sympetrum spp.
W: Oft kleiner und deutlich zierlicher. Abdomen ähnlich gefärbt und gemustert, aber meist mit schwarzen Punkten in der Mitte von S8–S9. Selten mit deutlichen Antehumeralstreifen, stets ohne hellen Strich zwischen Flügelbasen. Augen nie komplett blau-grau.