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Familie:

Libellulidae

Segellibellen

Gattung:

Orthetrum

Blaupfeile

DE:

Östlicher Blaupfeil

EN:

White-tailed Skimmer

FR:

Orthétrum à stylets blancs

IT:

Orthetrum a stili bianchi

Wissenswertes

Die Art ist bei uns selten und lokal verbreitet. Sie ist weitgehend auf Pioniergewässer angewiesen und verschwindet mit fortschreitender Sukzession. Ein guter Ort, sich mit der Art vertraut zu machen, ist das Aargauer Reusstal, wo sie an einzelnen Gewässern sogar zahlreicher ist als der Grosse Blaupfeil (Orthetrum cancellatum).


Merkmale

  • Gesamtlänge: 45-50 mm

Abdomen schlank, Augen grün bis blaugrün, Gesicht und Hinterleibsanhänge weiss (letztere bei älteren Tieren oft dunkler), Flügelmale schwarz. Thoraxseiten mit zwei hellen Diagonalbinden. Thorax-Oberseite mit hellem Band zwischen Flügelbasen. Männchen und Weibchen sind sehr unterschiedlich gefärbt.

Männchen

Hinterleib mit heller Blaubereifung (S3–S6), Ende scharf abgesetzt schwarz (S7–S10). Im Alter allgemein nachdunkelnd.

Weibchen

Hinterleib gelblich (später dunkler) mit schwarzen, arkadenartig gebogenen Längslinien. S10 und Hinterleibsanhänge weiss (deutlich sichtbares weisses Schlusslicht).

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Weibchen, helles Band zwischen Flügelbasen markant. Seitenflecken der Abdomensegmente fast weiss, kontrastieren zur gelben Mittellinie.

Belegfoto

M: Sicht von oben auf Abdomen, Hinterleibsanhänge, Thoraxoberseite.
W: Sicht von oben auf Abdomen, Hinterleibsanhänge.


Verbreitung

In Europa mit zwei Hauptverbreitungsgebieten: Das grössere liegt im Osten und umfasst Norditalien, Österreich und den Balkan. Das kleinere liegt in Mittel- und Südfrankreich.

In der Schweiz wurden erste Beobachtungen 1970 gemeldet, seit 1980 konnte sich die Art in der Zentralschweiz und im Mittelland ausbreiten. Zudem gibt es Vorkommen im Jura und den Kantonen Tessin und Genf. Vielerorts ist die Art weiterhin selten. Die meisten Standorte liegen unter 700 m, das höchste Entwicklungsgewässer befindet sich im Jura auf 860 m.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Mitte Mai bis Ende Juli.
Flugzeit: Mitte Mai bis Mitte September. Höhepunkt Juni bis Mitte August.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Orthetrum albistylum ist wärmebedürftig und kommt vorwiegend an Tümpeln und Weihern mit Pioniercharakter vor. Zur Fortpflanzung werden, untiefe, stehende Gewässer mit Flachufern und offenen, gut besonnten Stellen bevorzugt. Die Art kommt aber auch in steilufrigen vegetationsreichen Fischteichen vor. Gewässer mit weit fortgeschrittener Sukzession werden kaum mehr besiedelt.

Lebensweise Imagines

Die Reifungsphase verbringt Orthetrum albistylum auf offenen Wiesen in Gewässernähe. Die Art hat ein grosses Ausbreitungspotenzial und kann geeignete Gewässer schnell besiedeln.

Reife Männchen fliegen meist über dem offenen Wasser oder entlang des Ufers. Dazwischen setzen sie sich häufig auf den Boden oder auf niedrige Pflanzenstängel. Manchmal verteidigen sie Reviere. Die Paarung wird im Flug eingeleitet und wird sitzend auf niedriger Vegetation oder auf dem Boden beendet.

Bei der Eiablage streifen die Weibchen die Eier an der Wasseroberfläche oder an Wasserpflanzen ab. Häufig werden sie dabei vom Männchen bewacht.
Der Schlupf findet im Uferbereich, meist niedrig (ca. 5–30 cm) in der Vegetation statt. Die Exuvien werden deshalb meist nur bei expliziter Suche in dichter Vegetation wie Seggenbulten entdeckt.

Lebensweise Larven

Orthetrum albistylum überwintert im Larvenstadium, die Entwicklung dauert ein Jahr. Larven halten sich auf oder im schlammigen Grund auf, zur Überwinterung graben sie sich ein. So können sie auch kurzzeitiges Austrocknen überleben.


Gefährdung & Schutz

In der Schweiz ist Orthetrum albistylum «potenziell gefährdet» (NT). Die Art konnte zwar von der Neuschaffung von Gewässern profitieren, ist aber weiterhin selten. Sie besiedelt hauptsächlich Sekundärgewässer, welche ohne Pflege mit der Zeit verwachsen und verlanden, wodurch Orthetrum albistylum wieder verschwindet. Zudem schadet Intensivierung, Nutzungsänderung und lange Trockenlegung in besiedelten Fischgewässern. In den Hauptverbreitungsgebieten ist die Art nicht gefährdet.

Wichtigste Fördermassnahmen sind der Erhalt und die Neuschaffung von Pioniergewässern. Periodisches Ausbaggern, Gehölzschnitt und regelmässige Mahd sind unerlässlich. Sind mehrere Gewässer vorhanden, wird am besten das Rotationsprinzip angewendet. Zudem soll bei der Entleerung von Fischteichen jeweils ein wenig Wasser zurückgehalten werden.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    NT - Potenziell gefährdet
  • Nationale Priorität:
    Keine
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt

Ähnliche Arten

Am ähnlichsten ist der Grosse Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), welcher in ähnlichem Habitat oft in grösserer Anzahl vorkommt. Orthetrum albistylum muss aber auch gegen die anderen beiden Blaupfeile (Orthetrum spp.) abgegrenzt werden. Die Männchen sind zudem leicht mit den blau bereiften Arten der Gattung der Moosjungfern (Leucorrhinia spp.) zu verwechseln, welche ebenfalls weisse Hinterleibsanhänge und ein helles Gesicht haben. Auch kann es zu Verwechslungen mit dem Spitzenfleck (Libellula fulva) kommen. Frisch geschlüpfte Individuen mit hellgelb-schwarzer Zeichnung erinnern beim Auffliegen allenfalls auch noch an Keiljungfern (Gomphus spp.). Wichtig für die Bestimmung von Orthetrum albistylum sind bei beiden Geschlechtern die weissen Hinterleibsanhänge und die hellen Streifen am Thorax.

Grosser Blaupfeil – Orthetrum cancellatum 
Deutlich häufiger, gleich gross, aber mit etwas breiterem Abdomen. Hinterleibsanhänge dunkel. Thorax olivbraun und ohne kontrastierende Bänderzeichnung.
M: Abdomen dunkler blau bereift, bei jungen Individuen noch mit gelben Flecken an den Segmentseiten. Abdomenende schwarz, verwaschen zur Blaubereifung begrenzt. Augen dunkler, meergrün bis oliv.
W: Abdomen gelblich, im Alter nachdunkelnd mit schwarzen, geraden Längslinien. S10 und Hinterleibsanhänge dunkel.

Südlicher Blaupfeil – Orthetrum brunneum und Kleiner Blaupfeil – Orthetrum coerulescens 
Beide Arten deutlich kleiner und heller blau bereift. Flügelmal braun/gelblich.
M: Abdomen komplett blau bereift. Augen bei Orthetrum brunneum blau, bei Orthetrum coerulescens blaugrün.
W: S10 und Hinterleibsanhänge gelbbraun. Hinterleib ohne schwarze, gebogene Längslinien.

Östliche Moosjungfer – Leucorrhinia albifrons und Zierliche Moosjungfer – Leucorrhinia caudalis
M: Ebenfalls mit wesslich blau bereiftem Abdomen, weissen Hinterleibsanhängen und weissem Gesicht. Unterschied: schwarze Flecken an Flügelbasis.

Spitzenfleck – Libellula fulva 
M: Abdomen breiter und flacher, Bereifung dunkler blau. Schwarzes Dreieck an Hinterflügelbasis. Augen grau, Gesicht schwarz.

Keiljungfern – Gomphus spp.
Gelbe Mittellinie auf dem Abdomen schmaler, schwarze Linien nicht gewellt. Abdomenende meist keilförmig verbreitert und nie mit weissen Anhängen. Augen berühren sich nicht.