Leucorrhinia albifrons
Familie:
Libellulidae
Segellibellen
Gattung:
Leucorrhinia
Moosjungfern
DE:
Östliche Moosjungfer
EN:
Dark Whiteface
Eastern White-faced Darter
FR:
Leucorrhine à front blanc
IT:
Leucorrhinia a fronte bianco
Wissenswertes
Der deutsche Name Östliche Moosjungfer bezieht sich auf den gesamteuropäischen Verbreitungsschwerpunkt im Nordosten Europas. In der Schweiz befinden sich die wenigen Reliktpopulationen ausschliesslich in den westlichen Landesteilen. Dagegen ist die sehr ähnliche Schwesterart Leucorrhinia caudalis bei uns nur im Osten ansässig. Im Gegensatz zu dieser hält sich Leucorrhinia albifrons eher in der Ufervegetation auf und sitzt selten auf Schwimmblattvegetation. In der Schweiz ist Leucorrhinia albifrons sehr selten. Beobachtungen sollten unbedingt fotografisch dokumentiert und gemeldet werden.
Merkmale
-
Gesamtlänge: 33–39 mm
Insgesamt die düsterste aller Moosjungfern. Körper schlank, Hinterleib zylindrisch, nicht keulenförmig. Weisses Gesicht, schwarze Flecken an Hinterflügelbasis (Gattungsmerkmale), kurze schwarze Pterostigmen mit weissen Aussenrändern, weisse Hinterleibsanhänge. Labium schwarz mit weissen Flecken. Männchen und Weibchen sind sehr unterschiedlich gefärbt.
Männchen
Hinterleib dunkelgrau, mit heller Bereifung an Basis (am stärksten auf S3 und S4). Augen dunkel braun-blau-grünlich.
Weibchen
Hinterleib schwarz mit kleinen gelben Flecken auf S2 bis S6. Augen braun.
Jungtiere
Selbe Merkmale wie Weibchen. Augen rötlich.
Belegfoto
M: Sicht auf Abdomen, Flügelmal und Hinterleibsanhänge.
W: Sicht auf Abdomen, Flügelmal. Wenn möglich zusätzlich Gesicht mit Labium.
Verbreitung
Ihr europäisches Hauptverbreitungsgebiet liegt im Nordosten Europas. In West- und Mitteleuropa ist die Art sehr selten und die Populationen sind isoliert. In Frankreich kommt die Art in zwei geografisch isolierten Gebieten vor (Nouvelle-Aquitaine in Westfrankreich sowie Auvergne-Rhône-Alpes und Bourgogne-Franche-Comté in Ostfrankreich).
Leucorrhinia albifrons war in der Schweiz immer selten. Die Populationen liegen am Südrand des Verbreitungsgebiets. Im Zeitraum 2000 bis 2022 hat sich die Art an sechs verschiedenen Standorten fortgepflanzt. Aktuell sind drei Populationen mit Fortpflanzung bekannt: Pfynwald bei Sierre (bekannt seit Mitte des 19. Jahrhunderts), Lauenensee (seit 2014) und Neuenburger Jura (in revitalisierten Hochmooren, seit 2017). Vormals besiedelte Standorte im Genfer Becken und in der Orbe-Ebene sind verwaist. Immer wieder werden auch Einzeltiere beobachtet (unter anderem in den Kantonen VS, VD, BE, ZH, GR).
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Mitte Mai bis Anfang Juli.
Flugzeit: Ende Mai bis Anfang August (Höhepunkt im Juni).
Lebensraum
Meist natürliche, stehende oder langsam fliessende, nährstoffärmere Gewässer mit Grundwasserdurchfluss oder -aufstössen sowie klarem, oft saurem Wasser. Häufig mit Schwimmblatt- oder Submersvegetation: Altarme, neu angelegte Weiher entlang grosser Wasserläufe, ehemalige Torfabbaustellen sowie Weiher in ehemaligen Sandgruben.
Lebensweise Imagines
Während der Reifungszeit halten sich die Tiere in ufernaher Vegetation auf. Obwohl die Besiedlung neuer Standorte selten vorkommt, werden Tiere vor allem in der Reifungszeit manchmal an weit entfernten Gewässern aufgefunden.
Geschlechtsreife Männchen sitzen meist auf Uferpflanzen und Büschen oder Halmen von Schilf und Binsen, wobei sie ihr Territorium gegen Eindringlinge verteidigen. Meist jagen sie in der Nähe des Gewässers oder über offenem Wasser und entfernen sich nie weit davon. Die Paarung wird im Flug eingeleitet und in der Vegetation oder am Boden beendet.
Die Eiablage findet ohne Begleitung im Flug statt. Dabei werden die Eier an Stellen mit Pflanzenteilen ins Wasser getupft.
Schlupfsubstrate befinden sich in der Ufervegetation.
Lebensweise Larven
Leucorrhinia albifrons überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert vermutlich zwei Jahre. Larven halten sich zwischen Sprossen und Wurzeln submerser Vegetation oder am Gewässergrund auf.
Gefährdung & Schutz
In der Schweiz, am südwestlichen Rand ihres Verbreitungsgebiets, ist Leucorrhinia albifrons vom Aussterben bedroht (CR) und hat höchste nationale Priorität. Die Schweizer Populationen sind hauptsächlich durch Eutrophierung und erhöhten Fischbesatz gefährdet. Hinzu kommen Verlandungsprozesse der Entwicklungsgewässer, Veränderung der Wasserqualität, Nutzungs- und Erholungsdruck sowie Klimaerwärmung. In ihrem Hauptverbreitungsgebiet (Ostsee-Gebiet) ist die Art nicht gefährdet. Auf europäischer Ebene wird Leucorrhinia albifrons als «potentiell gefährdet (NT)» eingestuft.
Wichtigste Schutz- und Fördermassnahmen sind das Einrichten von Pufferzonen, gelegentliches Auslichten der Ufervegetation, Einschränkung des Fischbesatzes und der Erholungsnutzung sowie Erhalt des Wasserregimes (kein Zufluss von Fremdgewässern, keine Oberflächenwasserentnahme) besiedelter Gewässer.
Status Schweiz
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Rote Liste CH:CR - Vom Aussterben bedroht
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NHV:Geschützt
Artenschutzblatt
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DE:
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FR:
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Am ähnlichsten ist die Zierliche Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis), welche in der Schweiz momentan aber nicht im gleichen Gebiet vorkommt. Bei den übrigen Moosjungfern (Gattung Leucorrhinia) müssen vor allem die Weibchen vorsichtig voneinander abgegrenzt werden. Auch der Östliche Blaupfeil (Orthetrum albistylum) kommt als Verwechslungsart in Frage und Männchen von der Schwarzen Heidelibelle (Sympetrum danae) können auf den ersten Blick leicht für Weibchen von Moosjungfern (Gattung Leucorrhinia) gehalten werden.
Zierliche Moosjungfer – Leucorrhinia caudalis
Ebenfalls mit weissem Gesicht und schwarzen Flecken an Hinterflügelbasis (Gattungsmerkmale) sowie weissen Hinterleibsanhängen.
M: Hinterleib ebenfalls blau bereift, aber keulenförmig. Oberseite der Flügelmale weiss, Labium ohne weissen Flecken, Bereifung ausgedehnter (bis S5).
W: Hinterleib keulenförmig (nicht so stark wie beim Männchen), Labium ohne weisse Flecken, gelbe Flecken auf S2–S6 stärker ausgedehnt.
Kleine Moosjungfer – Leucorrhinia dubia, Grosse Moosjungfer – Leucorrhinia pectoralis und Nordische Moosjungfer – Leucorrhinia rubicunda
Ebenfalls mit weissem Gesicht und schwarzen Flecken an Hinterflügelbasis (Gattungsmerkmale). Hinterleibsanhänge schwarz, Labium ohne weisse Flecken.
M: Hinterleib schwarz mit roten Flecken und ohne helle Bereifung.
W: Hinterleib ebenfalls schwarz mit gelben Flecken. Diese sind aber deutlicher und reichen bis S7.
Östlicher Blaupfeil – Orthetrum albistylum
Ebenfalls mit weissem Gesicht und weissen Hinterleibsanhängen. Grösser (45–50 mm). Hinterflügelbasis ohne schwarze Flecken.
M: S3–S7 hellblau bereift (nicht nur S3 und S4/S5). Thoraxseiten mit hellen Längsstreifen, Thoraxoberseite mit Band zwischen Flügelbasen.
W: Abdomen gelb mit schwarzer Zeichnung. S10 und Hinterleibsanhänge weiss.
Schwarze Heidelibelle – Sympetrum danae
M: Etwas kleiner, aber von ähnlicher Statur. Wie Weibchen von Leucorrhinia albifrons mit schwarzer Grundfarbe und gelblicher Zeichnung. Gelbe Flecken aber nur diffus auf S2 und S3 sowie S7 und S8. Hinterflügelbasis ohne schwarz, Gesicht gelblich (nicht weiss). Thoraxseiten auffälliger gelb, mit typischen drei gelben Punkten. Ohne weisse Hinterleibsanhänge.