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Familie:

Libellulidae

Segellibellen

Gattung:

Leucorrhinia

Moosjungfern

DE:

Grosse Moosjungfer

EN:

Yellow-spotted Whiteface

Large White-faced Darter

FR:

Leucorrhine à gros thorax

IT:

Leucorrhinia a grande torace

Frontebianca maggiore

Wissenswertes

Leucorrhinia pectoralis ist eine typische Frühlingsart, die in der Schweiz bereits ab Ende April schlüpft. Sie kommt bei uns in Mooren des Mittellandes und des Juras vor und ist aufgrund von Verlandung, Eutrophierung und Austrocknung ihrer Entwicklungsgewässer stark gefährdet.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 32–39 mm

Grösste und kräftigste europäische Moosjungfer (Leucorrhinia spp.). Gesicht weiss und Hinterflügelbasis mit schwarzen Flecken (Gattungsmerkmale). Flügelmale und Hinterleibsanhänge schwarz. Körper schwarz mit farbigen Flecken auf Thorax und Abdomen-Oberseite. Grosse dreieckige Flecken auf den Hinterleibs-Segmenten S2–S7. Männchen und Weibchen unterscheiden sich durch ihre Statur und die Farbe der Flecken.

Männchen

Abdomen leicht keulenförmig. Flecken auf S2–S6 dunkel rotbraun, später kastanienbraun. S7 auch im Alter mit gelbem Fleck, erscheint wie helles Schlusslicht.

Weibchen

Abdomen breiter als beim Männchen, mit grossen gelben Flecken auf S2–S7. Fleck auf S7 oft etwas heller.

Jungtiere

Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt. Die Flecken der Männchen verfärben sich mit der Zeit von Gelb über Orange zu Rotbraun, nur S7 bleibt gelb.

Belegfoto

M/W: Sicht auf Abdomen-Oberseite.


Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet liegt im Nordosten Europas. Gegen Süden und Westen hin werden die Populationen immer kleiner und stärker isoliert. Lokal kommt die Art auch im Mittelmeergebiet vor. Im Hauptverbreitungsgebiet ist sie häufig, in Mitteleuropa jedoch stark zurückgegangen.

Früher war Leucorrhinia pectoralis im Mittelland zwischen Genfer- und Bodensee weit verbreitet. Mit dem Rückgang der Moore verschwanden viele Vorkommen. Aufgrund von Hochmoorregenerationen und Pflegemassahmen sowie im Verbund mit der Klimaerwärmung hat die Art wieder zugenommen und sich im Jura neu angesiedelt.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: kurz, je nach Jahr zwischen Ende April und Mitte Mai.
Flugzeit: Mitte Mai bis Mitte Juli, bei grossen Populationen teilweise bis August. Typische Frühlingsart.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Lebensräume finden sich in abgetorften oder teilweise noch intakten Mooren im Mittelland und Jura. Besiedelt werden mesotrophe, leicht saure bis schwach basische Torfgewässer (meist ehemalige Torfstiche) in mittleren Verlandungsstadien mit emersen und submersen Pflanzen. Die Gewässer sind gut besonnt, führen permanent Wasser und sind fischfrei. Sie liegen meist in Waldnähe oder in aufgelockertem Wald.

Lebensweise Imagines

Jungtiere reifen vermutlich in Baumkronen, wo sie wahrscheinlich auch als Adulte übernachten, ruhen und jagen. Zum Aufwärmen nutzt sie besonntes Totholz oder Baumstämme. Funde von Imagines fern bekannter Entwicklungsgewässer zeigen, dass Leucorrhinia pectoralis weit umherfliegen kann.

Fortpflanzungsbereite Männchen sitzen häufig auf Pflanzenspitzen, von denen sie das Wasser überblicken und auf Weibchen warten. Ihren Sitzplatz verteidigen sie gegen Rivalen. Die Paarung beginnt im Flug und endet auf der Vegetation oder am Boden.

Bei der Eiablage wird das Weibchen anfangs vom Männchen bewacht, danach legt es allein ab. Dabei schleudert es die Eier aus wippendem Flug ins Wasser.

Zum Schlupf dienen senkrechte Pflanzenteile über der Wasserfläche oder am Gewässerrand. Dort sind die Exuvien in der kurzen Schlupfzeit oft leicht zu finden und geben bei täglicher Kontrolle Aufschluss über die Gesamtgrösse einer Jahrespopulation.

Lebensweise Larven

Leucorrhinia pectoralis überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert ein bis drei (meist zwei) Jahre. Die Larven halten sich meist in submerser Vegetation auf.


Gefährdung & Schutz

In der Schweiz ist Leucorrhinia pectoralis stark gefährdet (EN) und hat nationale Priorität. Der nationale Handlungsbedarf wird als dringend eingeschätzt. Hauptsächliche Gefährdungsursachen sind Verlandung, Eutrophierung und Austrocknen der Fortpflanzungsgewässer. Zudem schaden Beschattung und Fische. Europaweit ist die Art nicht gefährdet. Haupt-Gefährdungsursachen sind Verlandung, Eutrophierung und Austrocknen der Fortpflanzungsgewässer. Zudem schadet Beschattung und Einwanderung von Fischen. Europaweit ist die Art nicht gefährdet.

Wichtigste Schutz- und Fördermassnahmen sind Gewässerpflege und Hochmoorregeneration. Dazu gehören Wiederöffnen verlandeter Torfgewässer, Schilfbekämpfung, periodisches Roden beschattender Gehölze, Auffangen und Umleiten von nährstoffreichem Wasser, stellenweises Abtiefen der Entwicklungsgewässer ohne dabei die Torfschicht zu durchstossen, Stabilisieren des Wasserstandes, Verbot von Fischbesatz sowie das Verhindern von Fisch-Einwanderung mit Sperren.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    EN - Stark gefährdet
  • NHV:
    Geschützt
Artenschutzblatt

Ähnliche Arten

Die Männchen sind mit dem gelben Fleck auf S7 bei genauer Beobachtung praktisch unverwechselbar. Die Weibchen hingegen sind schwieriger von anderen Moosjungfern (Leucorrhinia spp.) abzugrenzen. Die Nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda), die in der Schweiz nur als Ausnahmegast auftritt, könnte ebenfalls in Tieflagen vorkommen. Hingegen ist die Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) eher in höheren Lagen anzutreffen. Die anderen beiden Moosjungfern kommen ebenfalls im Tiefland vor, halten sich jedoch kaum im gleichen Lebensraum auf.

Nordische Moosjungfer – Leucorrhinia rubicunda  
Etwas kleiner und schlanker, mit kürzeren Flecken. Flügelvorderkante gelb.
M: Flügelmal rotbraun, S7 mit rotem Fleck (etwa 3/4-mal so lang wie das Segment). Rote Flecken leuchtender gefärbt.
W: Gelbe Flecken etwas kleiner, Fleck auf S7 etwa 3/4-mal so lang wie das Segment. Legescheide-Hinterrand ohne deutliche Fortsätze.

Kleine Moosjungfer – Leucorrhinia dubia  
Deutlich kleiner und schlanker. Meist in höheren Lagen anzutreffen.
M: S7 mit rotem Fleck (ca. 1/2 so lang wie das Segment).
W: S7 mit gelbem Fleck (ca. 1/2 so lang wie das Segment).

Östliche Moosjungfer – Leucorrhinia albifrons und Zierliche Moosjungfer – Leucorrhinia caudalis 
Hinterleibsanhänge weiss.
M: Hinterleib mit heller Bereifung.
W: Gelbe Flecken meist nur bis S6.