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Familie:

Libellulidae

Segellibellen

Gattung:

Leucorrhinia

Moosjungfern

DE:

Kleine Moosjungfer

EN:

Small Whiteface

White-faced Darter

FR:

Leucorrhine douteuse

IT:

Leucorrhinia dubbia

Wissenswertes

In der Schweiz ist Leucorrhinia dubia vor allem in höheren Lagen zu beobachten, wo sie in geeignetem Habitat wie Hochmooren recht zahlreich fliegen kann. Beobachtungen dieser Art im Tiefland sind möglich, insbesondere wenn geeignete Habitate vorhanden sind. Die Art ist sehr mobil und kann auch an bisher nicht besiedelten Gewässern auftauchen. Beobachtungen an ungewöhnlichen Orten sollten gut dokumentiert werden. Verwechslungen kann es insbesondere mit der sehr ähnlichen und bei uns nur als Ausnahmeerscheinung auftretenden Nordischen Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda) geben.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 31–36 mm (sehr klein)

Die kleinste und schlankste aller Moosjungfern (Leucorrhinia spp.). Mit weissem Gesicht und schwarzen Flecken an Hinterflügelbasis (Gattungsmerkmale). Körper schwarz mit farbigen Flecken auf Thorax und Abdomen-Oberseite. Dreieckige Flecken auf Abdomen-Segmenten relativ klein, Fleck auf S7 etwa halb so lang wie Segment. Flügelvorderrand in basaler Hälfte dunkel (bei der Nordischen Moosjungfer, Leucorrhinia rubicunda, gelb). Hinterleibsanhänge und Flügelmale schwarz (sehr selten auch rötlich). Männchen und Weibchen unterscheiden sich vorwiegend durch die Farbe der Flecken.

Männchen

Ausgereifte Exemplare mit roten Flecken an Brust und auf Abdomen-Oberseite (S2–S7). Im Alter werden die Flecken braun.

Weibchen

Körper mit gelblichen Flecken an Brust und auf Abdomen-Oberseite (S2–S7). Legescheide mit zwei dreieckigen Fortsätzen.

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Weibchen. Die Flecken junger Männchen verfärben sich von gelb über orange zu rot.

Belegfoto

M/W: Sicht auf Abdomen-Oberseite, Flügelmale und Hinterleibsanhänge.


Verbreitung

Weit verbreitet in Nord- und Mitteleuropa sowie isolierte Vorkommen in den Pyrenäen, im französischen Zentralmassiv und Bulgarien.

Die Vorkommen in der Schweiz konzentrieren sich auf den Alpenraum und den westlichen Jura. Besonders häufig ist sie in den Alpen zwischen Genfersee und Vierwaldstättersee, etwas verstreuter im Wallis, Tessin und Graubünden. Es gibt Beobachtungen zwischen 300 und 2400 m. Die meisten Fortpflanzungsgewässer liegen zwischen 900 und 2000 m.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Mitte Juni bis Ende Juli.
Flugzeit: Ende Juni bis Mitte August.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Leucorrhinia dubia ist eine typische Moorlibelle und besiedelt moosreiche Kolken und Schlenken sowie saure Weiher und Kleinseen mit flutenden Torfmoosen, Torfstiche und Moorgräben in nassen, nährstoffarmen Hoch- und Übergangsmooren. Die Gewässer sind meist fischfrei, stehend, gut besonnt, mit flutenden Moosen bewachsen, führen permanent Wasser, frieren im Winter nicht durch und sind sauer bis leicht basisch, eloktrolyt- und kalkarm. In höheren Lagen werden teilweise auch Gewässer ausserhalb von Mooren besiedelt.

Lebensweise Imagines

Frisch geschlüpfte Tiere fliegen vom Gewässer weg in Bäume oder in die Vegetation. Die Reifung findet nahe am Entwicklungsgewässer im feuchten Nadelwald oder in Lichtungen statt.

Reife Männchen fliegen leicht hüpfend und recht schnell über das Wasser, machen aber nur kurze Flüge. Dazwischen sitzen sie auf niedriger Vegetation oder am Boden und warten auf Weibchen. Nur bei geringer Dichte verhalten sie sich territorial. Die Paarung wird in der Luft eingeleitet, danach setzen sich die Paarungsräder auf den Boden oder auf niedrige Vegetation.

Das Weibchen legt die Eier alleine in untergetauchte oder schwimmende Moose an erwärmten Stellen ab. Zuerst vom darüber fliegenden Partner bewacht, danach alleine.

Der Schlupf findet an Halmen oder Moosen nahe an der Wasseroberfläche oder am Ufer statt.

Lebensweise Larven

Leucorrhinia dubia überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert zwei bis vier Jahre (meist drei Jahre). Die Larven halten sich meist in dichten Torfmoosbeständen auf und verhalten sich aktiv.


Gefährdung & Schutz

In der Schweiz ist Leucorrhinia dubia potenziell gefährdet (NT), in Europa gilt sie inzwischen als verletzlich (VU). Die Haupt-Gefährdungsursachen sind Beweidung, Austrocknen und Verlanden der Entwicklungsgewässer, Düngung/Entwässerung der Umgebung, Badebetrieb an empfindlichen Stellen sowie Wintertourismus (Langlaufloipen). Leucorrhinia dubia könnte eine der Arten borealer Herkunft sein, deren Bestände wegen steigenden Durchschnittstemperaturen und zunehmenden sommerlichen Trockenheitsphasen abnehmen.

Wichtigste Schutz- und Fördermassnahmen sind der Schutz intakter Hoch- und Zwischenmoore sowie ihrer Gewässer, der Erhalt von Torfstichen und Gräben, wenn diese nicht den Wasserhaushalt des Moors beeinträchtigen, die Regeneration von Hochmooren, Neuanlage von Kleingewässern in Hochmooren, das Fernhalten von Weidetieren in Hochmooren, das Einrichten von Schutzzonen an Badeseen sowie ein Verbot von Wintertourismus in Hochmooren.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    NT - Potenziell gefährdet
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt

Ähnliche Arten

Leucorrhinia dubia sieht sehr ähnlich aus wie die Nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda), die in der Schweiz jedoch nur als Ausnahmegast auftritt. Besonders Beobachtungen im Tiefland sind genau zu überprüfen, hier muss sie zudem von der Grossen Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) abgegrenzt werden. Bei den weiteren beiden einheimischen Moosjungfern (Leucorrhinia spp.) können vor allem die Weibchen verwechselt werden. Zudem können Männchen der Schwarzen Heidelibelle (Sympetrum danae) auf den ersten Blick leicht für weibliche Moosjungfern (Leucorrhinia spp.) gehalten werden.

Nordische Moosjungfer – Leucorrhinia rubicunda  
Nur unwesentlich grösser und etwas breiter. In der Schweiz nicht bodenständig, kann aber als Ausnahmegast praktisch überall auftauchen. Ähnlich gefärbt und gezeichnet, aber farbige Flecken auf Abdomen etwas grösser und deutlicher, dreieckiger Fleck auf S7 etwa dreiviertel Mal so lang wie das Segment. Zudem sind die Flügelvorderkanten komplett gelb.
M: Flügelmal rot (kann ausnahmsweise auch bei Leucorrhinia dubia der Fall sein!).
W: Ohne dreieckigen Fortsätze an Legescheide.

Grosse Moosjungfer – Leucorrhinia pectoralis  
In der Schweiz noch seltener, typischerweise im Tiefland unter 600 m. Die beiden Arten können trotzdem zusammen vorkommen. Grösser, massiger und intensiver gefärbt.
M: Fleck auf S7 hellgelb, fast so lang wie Segment.
W: Sehr grosse gelbe Flecken auf S2–S7, Flecken fast so lang wie Segment.

Östliche Moosjungfer – Leucorrhinia albifrons und Zierliche Moosjungfer – Leucorrhinia caudalis
Ebenfalls eher im Tiefland zu finden. Hinterleibsanhänge immer weiss.
M: Hinterleib mit heller Bereifung.
W: Gelbe Flecken länger als halbes Segment.

Schwarze Heidelibelle – Sympetrum danae  
M: Nur geringfügig kleiner, aber weniger schlank. Wie weibliche Moosjungfern (Leucorrhinia spp.), mit schwarzer Grundfarbe und gelblicher Zeichnung. Gelbe Flecken aber nur diffus auf S2–S3 und S7–S8. Basis der Hinterflügel ohne schwarz, Gesicht gelblich (nicht weiss). Thoraxseiten auffälliger gelb, mit drei typischen gelben Flecken.