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Familie:

Libellulidae

Segellibellen

Gattung:

Leucorrhinia

Moosjungfern

DE:

Nordische Moosjungfer

EN:

Ruby Whiteface

Northern White-faced Darter

FR:

Leucorrhine rubiconde

IT:

Leucorrhinia rubiconda

Wissenswertes

Leucorrhinia rubicunda ist eine nordische Art mit einem Verbreitungsschwerpunkt von Belgien, über Mittel- und Norddeutschland, Tschechien, Polen bis weit in Norden Europas. Sie hat eine beträchtliche Ausbreitungskapazität und wird gelegentlich weit weg von bekannten Standorten festgestellt. In der Schweiz gab es bisher keine Entwicklungsnachweise. Die letzten Beobachtungen in der Schweiz stammen von einer Lehmgrube bei Basel (1992) und von den Katzenseen bei Zürich (2018). Zukünftige Funde sind aber in der ganzen Schweiz möglich. Beobachtungen müssen auf jeden Fall fotografisch gut dokumentiert werden.


Merkmale

  • Gesamtlänge: 31–38 mm

Relativ kleine aber stämmige Moosjungfer. Mit weissem Gesicht und schwarzen Flecken an Hinterflügelbasis (Gattungsmerkmale). Körper schwarz mit farbigen Flecken auf Thorax und Abdomen-Oberseite. Mittelgrosse Flecken auf Abdomen-Segmenten. Dreieckiger Fleck auf S7 bedeckt rund 75 % des Segments. Flügelvorderrand von vorne gesehen gelb. Schwarze Hinterleibsanhänge. Männchen und Weibchen unterscheiden sich vorwiegend durch die Farbe der Flecken.

Männchen

Flecken auf Abdomen-Oberseite dunkel-rot, im Alter braun. Flügelmal rotbraun.

Weibchen

Flecken auf Abdomen-Oberseite gelblich und relativ gross. Flügelmale schwarz. Keine dreieckigen Fortsätze an Legescheide.

Jungtiere

Selbe Merkmale wie Weibchen. Die Flecken junger Männchen färben sich von Gelb über Orange zu Rot um.

Belegfoto

M: Sicht auf Abdomen-Oberseite mit Pterostigmen.
W: Sicht auf Abdomen-Oberseite.


Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Nordeuropa. Die südliche Grenze verläuft auf der Höhe von Nordfrankreich über Polen Richtung Osten.

Die Beobachtungen aus der Schweiz sind die südlichsten dieser Art. Leucorrhinia rubicunda ist hier als Gast einzustufen. Vor über 100 Jahren wurden fünf Individuen im Berner Oberland, Mittelland und Wallis beobachtet. Zwei Individuen stammen von 1989 und 1992 aus einer Lehmgrube in Oberwil. Der letzte Nachweis eines einzelnen Männchens stammt von 2018 bei den Katzenseen in der Gemeinde Zürich. In der Schweiz wurden noch nie Fortpflanzungsnachweise erbracht.

Kartenhintergrund © swisstopo; Verbreitungsdaten © info fauna
Diagramm © info fauna

Biologie

Phänologie

Schlupfperiode: Ende April bis Mitte Juni.
Flugzeit: Anfang Mai bis Ende Juli.

Diagramm © info fauna

Lebensraum

Die Lebensraumansprüche von Leucorrhinia rubicunda sind ähnlich wie die von der Kleinen Moosjungfer (Leucorrhinia dubia), jedoch etwas weniger spezifisch. Die Arten kommen auch teilweise zusammen vor. In Europa sind typische Entwicklungsgewässer gut besonnt, sauer, mesotroph, stehend, sowie mit flutenden und untergetauchten Moosen bewachsen. Der Grund ist mit Torfschlamm oder anderem organischen Schlamm bedeckt. Die Gewässer befinden sich meist in Randbereichen von Hoch- und Übergangsmooren, häufig sind es ehemalige Torfstiche. Die Art könnte praktisch überall in der ganzen Schweiz auftreten.

Lebensweise Imagines

Das Reifungs-, Jagd- und Ruhehabitat befindet sich unter anderem an trockenen Stellen lichter Wälder, auf Waldwiesen oder an Waldrändern.

Das Verhaltensmuster am Gewässer unterscheidet sich kaum von demjenigen der Kleinen Moosjungfer (Leucorrhinia dubia). Reife Männchen verhalten sich bei geringer Dichte territorial und sitzen auf erhöhten Stellen. Die Paarung wird über dem Gewässer eingeleitet und in unmittelbarer Umgebung beendet.

Die Weibchen legen die Eier allein und mit wippenden Bewegungen aus der Luft über flutenden Moosen ab. Dabei werden sie häufig vom Männchen aus dem Flug bewacht. Die Eiablage kann aber auch sitzend auf flutenden Moosen erfolgen.

Der Schlupf findet in geringer Höhe in der Ufervegetation statt.

Lebensweise Larven

Leucorrhinia rubicunda überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert zwei Jahre. Die Larven halten sich in der Unterwasservegetation auf. Trockenperioden können sie im Schlamm überdauern.


Gefährdung & Schutz

In Europa gilt Leucorrhinia rubicunda als gefährdet (VU). Es gibt zudem Hinweise, dass die Bestände abnehmen, insbesondere in den Randgebieten der Verbreitung. Zerstörung und Beeinträchtigung von Moorgewässern gehören zu den Hauptgefährdungsursachen. In der Roten Liste der Libellen der Schweiz wird sie als nicht heimisch angesehen und der Kategorie NA (nicht anwendbar) zugewiesen.

Da die Art in der Schweiz nur als Gast auftritt, sind bei uns keine Schutzmassnahmen erforderlich. In der Umgebung besiedelter Gewässer sollen verlandete Torfstiche wiedergeöffnet und wenn möglich nach dem Rotationsprinzip gepflegt werden. Zudem sollen Hochmoore regeneriert werden.

Status Schweiz
  • Rote Liste CH:
    NE - Nicht beurteilt
  • Nationale Priorität:
    Keine
  • NHV:
    -
Artenschutzblatt
  • DE:

    Keine

  • FR:

    aucun

  • IT:

    nessuno


Ähnliche Arten

Sie sieht sehr ähnlich aus wie die bei uns in höheren Lagen bodenständige Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) und muss bei Beobachtungen im Tiefland ebenso von der Grossen Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) abgegrenzt werden. Von den anderen beiden einheimischen Moosjungfern stellen nur die Weibchen eine gewisse Herausforderung bei der Bestimmung dar.

Kleine Moosjungfer – Leucorrhinia dubia
Nur unwesentlich kleiner, aber deutlich schlanker. Ähnlich gefärbt und gezeichnet, aber farbige Flecken auf Abdomen deutlich kleiner, dreieckiger Fleck auf S7 nur etwa halb so lang wie das Segment. Zudem sind die Flügelvorderkanten dunkel.
M: Flügelmale schwarz.
W: Mit dreieckigen Fortsätzen an Legescheide.

Grosse Moosjungfer – Leucorrhinia pectoralis
M: Flügelmale schwarz. S7 mit gelbem Fleck, fast so lang wie das Segment. Übrige Flecken eher kastanienbraun als leuchtend rot.
W: Gelber Fleck auf S7 fast so lang wie das Segment.

Östliche Moosjungfer – Leucorrhinia albifrons und Zierliche Moosjungfer – Leucorrhinia caudalis
Hinterleibsanhänge weiss.
M: Hinterleib mit heller Bereifung.