Somatochlora alpestris
Familie:
Corduliidae
Falkenlibellen
Gattung:
Somatochlora
Smaragdlibellen
DE:
Alpen-Smaragdlibelle
EN:
Alpine Emerald
FR:
Cordulie des Alpes
IT:
Cordulia delle Alpi
Smeralda alpina
Wissenswertes
Somatochlora alpestris ist eine mittelgrosse, kräftig gebaute Smaragdlibelle, die im Flug von der ähnlichen und teils im selben Lebensraum vorkommenden Arktischen Smaragdlibelle (Somatochlora arctica) schwer zu unterscheiden ist. Den Namen erhielt sie mit ihrer Entdeckung im Berner Oberland. Sie kommt nur in höheren Lagen des Alpenraumes vor, nicht aber im Jura.
Merkmale
-
Gesamtlänge: 45–50 mm
Grundfarbe düster grünlich-schwarz und matt glänzend, nur Thoraxseiten metallisch grün glänzend. Hinterrand von S2 mit schmalem weissem Ring, Hinterrand von S3 mit noch schmalerem weissem Ring. Augen je nach Beleuchtung smaragdgrün bis türkisfarben, mit etwas Goldglanz. Männchen und Weibchen sehr ähnlich.
Männchen
Hinterleib mit schlanker Taille. Hinterleibsanhänge doppeleckig und am Ende zusammenlaufend.
Weibchen
Hinterleib zylindrisch und breiter als beim Männchen. Weisser Ring an S2 besonders deutlich. Legescheide kürzer als S9, rechtwinklig abstehend.
Jungtiere
Ähnlich den Adulten. Augen anfänglich milchig rötlich-braun.
Belegfoto
M: Ganze Libelle von oben, Hinterleibsanhänge gut sichtbar oder Gesicht von vorne.
W: Ganze Libelle von oben, ganze Libelle von der Seite mit gut sichtbarer Legescheide oder Gesicht von vorne.
Verbreitung
Als boreo-alpine Art hat Somatochlora alpestris in Europa zwei deutlich voneinander getrennte Verbreitungsschwerpunkte: Sie besiedelt je ein grösseres Areal im nördlichen Skandinavien und im Alpenraum. Weitere Vorkommen gibt es in den Mittelgebirgen zwischen den Vogesen und den Karpaten.
In der Schweiz besiedelt sie ausschliesslich den Alpenraum. Die meisten Beobachtungen wurden zwischen 1600 und 2100 m gemacht. Unterhalb von 800 m ist sie nicht mehr zu finden, der höchste Entwicklungsnachweis stammt von 2240 m, gesehen wurde sie bis 2700 m.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Ende Mai bis Ende August (am Gewässer synchron; Zeitpunkt höhenabhängig).
Flugzeit: Juni bis September (höhenabhängig).
Lebensraum
Somatochlora alpestris ist in tieferen Lagen meist an kleineren Gewässern in Waldmooren mit baumfreien Zentren anzutreffen. In höheren Lagen besiedelt sie auch völlig wald- und moorfreie Gebiete. Sie nutzt ein breites Spektrum verschieden grosser Gewässer von kleinsten Moorschlenken bis zu mittelgrossen Bergseen. Eine gut ausgebildete Ufervegetation und eine organische Bodenschicht sind dabei essenziell.
Lebensweise Imagines
Die Reifungszeit verbringt Somatochlora alpestris in Waldlichtungen und auf Alpweiden nahe der Entwicklungsgewässer, manchmal auch weit entfernt davon.
Die Männchen fliegen am Gewässer meist in geringer Zahl tief über dem Wasser und dessen Umgebung. Der Flug ist unterbrochen von Rüttelflügen mit Richtungswechsel. Die Männchen bleiben oft nur kurze Zeit an einem Ort und besuchen im Tagesverlauf mehrere, oft weit auseinander liegende Gewässer. Zwischendurch setzten sie sich kurz in die Vegetation.
Die Paarung wird häufig abseits des Gewässers eingeleitet und dauert bis zwei Stunden. Die Eiablage erfolgt aus dem Flug in seichtes Wasser oder nasses Torfmoos ohne Begleitung des Männchens.
Der Schlupf erfolgt tagsüber, meist vormittags. Die Exuvien findet man an senkrechten halmartigen Pflanzenteilen nahe dem Wasser, wo sie in der kurzen Vegetation gut sichtbar sind.
Lebensweise Larven
Spät gelegte Eier entwickeln sich schneller als frühe. Trotzdem überwintert fast die Hälfte der Eier in Diapause und schlüpft erst im Frühjahr. Nicht alle Larven schlüpfen bei derselben Temperatur, somit erhöht sich die Überlebenschance der gesamten Population. Früh abgelegte Eier entwickeln sich noch im selben Jahr zur Larve, die dann überwintert. Die Larven halten sich in Torfmoosen oder im Torfschlamm auf. Sie überdauern vorübergehendes Austrocknen und Durchfrieren des Gewässers. Die Larven sind nicht an das Zusammenleben mit Fischen angepasst, kommen aber auch kaum im selben Lebensraum vor. Wichtigste Prädatoren sind vermutlich die Larven der Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea). Die Entwicklung dauert je nach Klima zwei bis vier, maximal fünf Jahre.
Gefährdung & Schutz
Somatochlora alpestris ist in Europa «potenziell gefährdet» (NT), ebenso in der Schweiz. Gefährdungsursachen sind Moorentwässerung, Beweidung mit Grossvieh, Verlanden und Austrocknen von Moorgräben und Torfstichen, Klimaerwärmung und in der Folge vollständiges Austrocknen seichter und kleiner Gewässer.
Erhalten und fördern lässt sich Somatochlora alpestris durch Schutz der Populationen, indem die Netze regionaler Klein- und Kleinstgewässer erhalten werden. Dazu gehören auch das Wiedervernässen von Hochmooren, Regenerieren zugewachsener Torfstiche und Moorgräben, Einzäunen von Gewässern auf Alpweiden sowie das Anlegen neuer Gewässer mit genügender Tiefe in geeigneten Höhenlagen.
Status Schweiz
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Rote Liste CH:NT - Potenziell gefährdet
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NHV:-
Artenschutzblatt
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DE:
Keine
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FR:
aucun
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IT:
nessuno
Ähnliche Arten
Somatochlora alpestris ist von der Arktischen Smaragdlibelle (Somatochlora arctica) im Flug kaum zu unterscheiden, da beide von ähnlicher Gestalt sind und eine düster grünlich-schwarze Grundfarbe ohne auffälligen Glanz und leuchtend grüne Augen aufweisen. Auch sind bei beiden Arten Lebensraum, Flugzeit, Verhalten und Aussehen sehr ähnlich. Zudem kann es zur Verwechslung mit der Glänzenden Smaragdlibelle (Somatochlora metallica) kommen, die oft auch im Gebirge vorkommt und zu ähnlichen Zeiten fliegt. Die ebenfalls ähnliche Falkenlibelle (Cordulia aenea) und Gefleckte Smaragdlibelle (Somatochlora flavomaculata) kommen hingegen eher im Tiefland und kaum zusammen mit Somatochlora alpestris vor.
Arktische Smaragdlibelle – Somatochlora arctica
Augen leuchtend smaragd- bis oliv- und goldgrün. Hinterrand von S2 mit schmalem gelblichem Ring, nicht auffällig weiss.
M: Hinterleibsanhänge zangenartig gebogen, ähnlich wie beim Ohrwurm.
W: S3 an den Seiten mit je einem deutlich gelben Fleck. Legescheide anliegend, kaum vorstehend, überragt S9.
Glänzende Smaragdlibelle – Somatochlora metallica
Körper intensiv metallisch grün leuchtend und Hinterleibsbasis mit gelben Flecken. Stirn grün, im unteren Teil mit gelbem Querband. Pterostigmen gelbbraun bis braun (nicht dunkel). Flügelbasis oft bernsteinfarben getönt. Augen smaragdgrün ohne Blaustich.
W: Legescheide sehr lang (länger als S9) und auffällig senkrecht abstehend.
Falkenlibelle – Cordulia aenea
Körper dunkelgrün metallisch glänzend, mit rundlichen weissen Flecken auf der Unterseite des Abdomens. Thorax einfarbig grün. Stirn dunkelgrün ohne gelb. Flügelbasen safrangelb getönt.
M: Abdomen keulenförmig, breiteste Stelle im hinteren Drittel.
W: Abdomen etwas dicker und zylindrisch geformt. Legescheide nicht vorstehend.
Gefleckte Smaragdlibelle – Somatochlora flavomaculata
Thorax und Abdomen mit gelben Flecken. Thoraxseiten mit zwei gelben Flecken, S4–S8 mit keilförmigen Seitenflecken, S2–S3 mit grossen Seitenflecken.Stirn metallisch blaugrün, mit zwei gelben Seitenflecken. Augen leuchtend smaragdgrün.
M: Obere Hinterleibsanhänge lang und fast parallel.